Magyar

András Gromon

E L P I D I A

oder Traum und Lied von einem Land,

das keine Polizei und keine Armee hat

 

Schon der Titel, formuliert nach Art der Alten, faßt in sich den Inhalt, die Gattung, vielleicht auch das Ziel dieser Schrift.

Der Titel wurde - wenn inhaltlich nicht besonders, formal auf jeden Fall - vom Utopia des Thomas Morus inspiriert. Utopia bedeutet: nirgends existierendes Land. Elpidia stammt aus dem griechischen Wort “elpis”, dessen Bedeutungen sind: Meinung, Glaube, Erwartung, Hoffnung. Es ist die Bezeichnung des Landes, das zur Zeit noch nirgends existiert, die Möglichkeit seines Zustandekommens aber - so meinen wir es - von vornherein nicht auszuschließen ist, ja was noch mehr ist: wir existieren auf diesem Planeten, um es zustande zu bringen. Wir glauben darauf, daß es verwirklicht werden kann, wir erwarten auch seine Verwirklichung, denn wir hoffen darauf, daß es einmal zustande kommt. Mit dieser unserer Meinung, unserem Glauben, unserer Erwartung und Hoffnung stehen wir nicht allein; wir sehen es nämlich so: es gab immer welche, wenn auch wenige, die den Traum von diesem zukünftigen Land sahen, bewahrten und verkündeten, angefangen von dem Propheten Micha und dem Pharao Ekhnaton (Amenhotep IV) bis Karl Marx und György Konrád.

In gewissem Sinne deutet der Titel auch die Gattung an; nur “in gewissem Sinne”, denn er deckt keine formalen Eigenschaften, sondern inhaltliche Beziehungen. Es geht um die “Gattung” der Utopien-Elpidien, die immer von einem idealen Land handelt, das zwar noch nicht existiert, aber existieren sollte, und die - unabhängig von den formalen Elementen ihrer Erscheinung - immer ein “Lied” ist; denn nur das “Lied” ist fähig auszudrücken, was nicht existiert, was aber existieren könnte und auch sollte; nur das “Lied” kann gleichzeitig noch vieles andere ausdrücken, was mit Worten nicht formuliert werden kann.

Aus den bisher gesagten kann vielleicht auch schon darauf geschlossen werden, was das Ziel dieser Schrift ist. Einerseits haben wir vor, diesen den Tatsachen der Welt so hartnäckig widerstehenden Traum zu bewahren und weiter zu verkünden. Wir versuchen, ihn in dem heutigen Kontext und in der heutigen Sprache zu formulieren. Andererseits wollen wir durch Wachhalten und Verkünden des Traumes zu dessen künftiger, möglichst baldiger Verwirklichung beitragen. Denn Elpidia kommt nicht unabhängig von uns, es kann nur durch unsere persönliche Betätigung verwirklicht werden.

Wir wollen also im folgenden darstellen, daß der menschlichen Natur eine solche Gesellschaftsordnung entspricht, die in ihrer “Innenpolitik” auf die (auf Gewalt basierende) sog. Justiz, in ihrer “Außenpolitik” auf die Kriegführung verzichtet, die keine Polizei, keine Gerichtsbehörden, keine Gefängnisse hat, die weder eine ständige, noch eine gelengentliche Armee hat, weder in Friedenszeit, noch in einem gegen sie geführten Krieg. Die Elpidien-Gattung macht uns dabei möglich, keinen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Im folgenden wollen wir zuerst zeigen, daß unsere Behauptungen auch jesuanische Gründe haben; dann möchten wir über die Natur der Macht ein Wort fallen lassen, da sowohl die Justiz, als auch die Kriegführung in erster Linie eine Machtfrage ist. Danach wollen wir die auf Justiz und Kriegführung vezichtende Gesellschaft darstellen in der Form, daß wir versuchen, die häufigsten Einwände zu beantworten. Zuletzt entwerfen wir das Bild der Gesellschaft, die auch ohne (“gesetzliche”) Gewalt funktionsfähig ist.

 

 

1. Jesuanische Gründe

Das Fehlen des bestimmten Artikels im Untertitel will darauf aufmerksam machen, daß das in Rede stehende Thema nicht im Mittelpunkt des Interesses von Jesu stand. In seiner Belehrung sind diesbezüglich nur sporadische, dafür aber eindeutige Hinweise zu finden. Diese Hinweise sind aus dem Gesichtspunkt unseres Herangehens natürlich nur indirekte.

Unsere These: Jesus wertet die Justiz als unbegründet (Mt 7,3-5: diejenige, die einen Balken im Auge haben, dürfen diejeneige nicht verurteilen, die einen Splitter im Auge haben; vgl. Mt 18,23-33; Joh 8,7: Sünder dürfen andere Sünder nicht verurteilen), als machtlos (sie ist nicht fähig, eine “saubere Arbeit” zu schaffen, vgl. Mt 13,29) und als schädlich (sie reißt zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus, Mt 13,29), folglich auch als überflüssig (denn es wird die “Ernte”, die Trennung geben). Jesus seinerseits verbietet auch die sog. Justiz in ihrer Gänze und nimmt alle Folgen dieses Verbotes auf sich.

Am Anfang der Reihe soll das generelle Verbot der Bergpredigt stehen: “Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!” (Mt 7,1). Es geht hier um das Verbot des richterlichen Urteils, d.h. um das Verbot einer Rechtsprechung, die zur Bestrafung des Verurteliten führt. (Lk 6,37 fügt zu dieser Aufforderung eine andere hinzu, die die erstere zu deuten scheint: “Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden.” Gegenüber krinein in der ersten Aufforderung steht in der zweiten katadikadzein, von dessen Bedeutung der die Bergpredigt betreffend so sensible Jakobusbrief - 5,6 - deutlich zeugt: “Ihr habt den Gerechten verurteilt und umgebracht...”)

Das Gleichnis vom Weizen und dem Unkraut bzw. dessen Deutung legen die grundsätzliche These der Bergpredigt unmißdeutlich dar (Mt 13,24-30 bzw. 13, 37-43): “Die Söhne des Bösen” dürfen nicht aus der Welt gejätet werden (d.h. ausgerottet werden), man soll sie wachsen (!!) lassen, sie sollen leben bis ans Ende der Welt, bis zur “Zeit der Ernte”!

Jesus meint das ernst, und wendet es sowohl auf “zivil-” als auch “strafrechtliche” Prozesse an. (Wie bekannt, das “Jäten” geschieht unter “Kulturmenschen” in Form von Prozessen.) Für “Zivilprozesse” gibt es sogar drei Beispiele; das eine verbietet einem, jemandem einen Prozess anzuhängen und dadurch einen Mitmenschen ins Gefängnis zu werfen (Mt 18,30-33), die beide anderen verbieten, auf einen gegen mich angestrengten Prozeß einzugehen: “Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg bist. Sonst wird dich dein Gegner vor den Richter bringen...” (Mt 5,25)! Wie soll man Frieden schließen? “Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann laß ihm auch den Mantel” (Mt 5,40)! - Für einen “strafrechtlichen Prozeߔ zeigte uns Jesus anhand des Falls der Ehebrecherin ein Beispiel (Joh 8,3-11). Dabei legte er Zeugnis davon ab, daß er auch die staatliche Justiz und Urteilvollstreckung mißbilligt. Dies können wir mit Bestimmtheit behaupten, denn die Gesetze von Mose waren nicht nur Religionsdokumente, sondern zugleich auch die Verfassung (und das Strafgesetzbuch) des Staates Israel. (Wenn das obige für die Todesstrafe gilt, gilt es umsomehr auch für alle kleineren Strafen!)

Von der kriegsfeindlichen Auffasung Jesu zeugen ausreichend das Gebot der Feindesliebe (Mt 5,44) und die Tatsache, das Jesus nicht bereit war, sich der Bewegung der Zeloten anzuschließen, die mit Waffengewalt gegen die römische Herrschaft kämpften (vgl. Joh 6,15; Lk 4,5-8). Mit einigen Hinweisen berühren wir doch zwei Probleme, die die Möglichkeit von Kriegskonflikten in sich bargen.

Das eine war die Samaritanerfrage, die teils als nationale (die Samaritaner waren Halbjuden), teils als internationale (sie haben sich abgesondert) Angelegenheit betrachtet werden kann. Juden und Samaritaner haßten sich gegenseitig und benahmen sich auch dementsprechend. Und da erklärt der Jude Jesus die Samaritaner für Mitmenschen (praktisch für Landsleute - Lev 19,18; s. Lk 10,29-37) und benimmt sich ihnen gegenüber auch dementsprechend (Lk 9,51-56; Joh 4,7-26), etliche Male stellt er sie (!) sogar den Juden als Beispiele auf (Lk 10,35-37; 17,15-18).

Eine noch härtere Nuß war die Römerfrage. Für das damalige Judentum gab es kaum eine schmerzlichere Sache, als die römische Besetzung. Für jeden Juden, der etwas auf sich hielt, war ein Ehrenhandel, die Römer zu hassen, mit ihnen keinen Umgang zu pflegen und - wie es die Bewegung der Zeloten und auch viele Aufstände beweisen - auch der Gedanke des bewaffneten Widerstands stand ihnen nicht fern... Jesus aber sagt: “Wenn einer (d.h. ein römischer Legionär - gemäß seinem Gesetze) dich zwingt, seine Sachen tausend Schritte weit zu tragen, geh zweimal so weit; dadurch kannst du zum Ausdruck bringen, daß du den Unterdrücker (der noch dazu ein Heide ist) nicht als Feind, sondern als Mitmenschen (d.h. als Landsmann!) betrachtest” (vgl. Mt 5,41)...!

Dies alles bezog Jesus auch auf sich selbst und bekräftigte es durch sein persönliches Beispiel. Er verbot den Seinigen, die gegen ihn feindliche Haltung bezeigende Samaritaner (die (“Urfeinde”) zu bestrafen (Lk 9,51-56 - darin ist es enthalten, daß auch Gott derartige Unternehmungen nicht rechtfertigt!); er verbot Petrus gegenüber der mit ihm ungerecht vorgehenden (vgl. Joh 8,46a; 10,32) Tempelpolizei “Gerechtigkeit zu üben” (Mt 26,52), und er deutete auch Pilatus an, daß er sich selbst nicht (mit Gewalt) “Gerechtigkeit widerfahren lassen” will (Joh 18,36).

 

 

2. Über die Natur der Macht

Unter Macht verstehen wir hier die Macht der sich auf Waffen stützenden politischen Machthaber, deshalb gilt dieser Ausdruck für uns als Synonym für die folgenden Wörter: Staat, Staatsgewalt, Regierung. Es faßt in sich weiterhin all diejenige, die direkt oder indirekt in Diensten der so verstandenen Macht stehen (z.B. Regierungsbeamte, Polizisten, Gefängniswächter, bzw. all die gesellschaftlichen Schichten, die priviligierte Positionen einnehmen, also einen großen Teil der Reichen, Journalisten, Leiter vom Radio und Fernsehen, Künstler, Wissenschaftler usw.).

“Die Macht ist ihrer Beschaffenheit nach böse” - sagt Jacob Burckhardt, “die Macht macht unvermeidlich böse” - sagt János Kodolányi. (Ein aufschlußreiches Beispiel für das letztere ist der Fall von König Saul: 1 Sam 18-19). “Wer herrschen will, kann kein anderes Ziel haben als die Macht. Er kann niemanden lieben, nur sich selbst. Sogar sein Gott kann nur sein eigener Gott sein, der seine Übeltaten rechtfertigt” (Stefan Heym: Chronik des Königs David). “Wer die Herrschaft führt, dem graut es notwendigerweise vor der Wahrheit. Er verlangt, daß sogar die göttlichen Gesetze für ihn schmeichelhaft sind” (J. Kodolányi: Vízözön [Sintflut]).

Wir sind überzeugt davon, daß diese Behauptungen die Natur der Macht und der Machthaber treu malen (wer fähig ist, hinter die Kulissen zu schauen, der wird damit einverstanden sein). Weiterhin sind wir auch davon überzeugt, daß die ganze sog. “gesetzliche Ordnung” (nicht notwendigerweise, aber faktisch) bis zum heutigen Tag nichts anderes ist, als die Erstreckung der Macht im obigen Sinne des Wortes, eine Erscheinungsform des Staates, eine gegebene Art der Machtausübung der herrschenden Klassen. Wir machen kein Hehl daraus, daß das Hauptziel dieses Abschnitts ist, den Mythos der “Macht für das Volk” zu enthüllen; zu beweisen, daß sie nur ein Mythos, eine Ideologie ist.

Mit den Worten von Jenõ Henrik Schmitt, dem großen ungarischen Denker der Jahrhundertwende: “Es ist eine Lüge, daß die Gesetze erfunden waren, um die kleineren Räuber und Diebe zu bändigen. Die Geschichte bezeugt, daß - ganz im Gegenteil - die Staaten von gewaltigen Verbrechern gegründet worden sind, die, wenn es ihnen gelungen ist, die Bevölkerung von ganzen Ländern einzuschüchtern, das Gesetz ihrer Räuberbande in landgültiges Gesetz umgewandelt haben” (Zeitschrift “Állam nélkül” [Ohne Staat]).

Leo Tolstoi, der mit J.H. Schmitt in Wechselwirkung stand, schreibt zur selben Zeit folgenderweise: “Die Regierungen werden je nach Art ihrer Tätigkeit und ihrer gewaltsamen Zielen gerade aus solchen Elementen gebildet, die geradezu keine Heiligen sind, im Gegenteil, sie sind unverschämte, grobe und unmoralische Menschen... Dieser Gipfel wird immer von Leuten erobert, die schleuer und skrupelloser sind, als die anderen, oder von einem solchen, der zufällig Erbe des zudringlichsten und skrupellosesten ist” (Über den Patriotismus). (Und wenn er auch nur ein “Erbe” ist, sollen wir nicht vergessen, daß “die Macht unvermeidlich böse macht”!)

Mit den beiden vorangegangenen klingt auch die Meinung von J. Kodolányi zusammen, formuliert mit tiefer Ironie: “Es finden sich immer selbstlose Männer, die ihren Blick auf höhere Ziele werfen, die von einer edlen Sorge um das Schicksal des Vaterlandes gepackt werden, die von den Tränen der Armen in Weinen ausbrechen und alles aufopfern im Interesse ihrer eigenen selbstlosen Macht... Ein jeder von ihnen hatte damit begonnen, daß er die Götter mit Geschenken überhäufte, riesengroße Stiftungen bei den Priestern machte, setzte dann damit fort, daß er die Feldherren und die Soldaten (letztere nur mit Versprechungen) des Gegners bestach, die Steuern erhöhte, neue Abgaben verlangte, immer neuere erbarmungslose Aufseher ernannte, immer mehr Bauern, Handwerker schlagen, erhängen und in den Fluß werfen ließ - und endete mit einer schönen Grabinschrift, daß er nie gelogen, Witwen und Waisen geschützt, die Lasten des Volkes erleichtert, den Hungernden Mehl geschenkt, die Tränen abgewischt hatte... Ein jeder von ihnen nannte die anderen Hergelaufene, Plünderer, Schwindler, Vermessene. Ihre eigene Vermessenheit, ihre Rechtsverletzungen, Mordtaten und Liebesorgien, das Stinken ihres eigenen Netzes betrachteten sie natürlich nur als kleine Fehltritte, als menschliche Schwäche, als harmlose Verirrung, wenn sie überhaupt daran dachten. Wie hätten sie nur daran denken können, wenn ihr Herz vor Sorgen um das Schicksal ihres Vaterlandes, vor Leid um die sich von frühauf bis abends bückenden Bauern, vor tausenderlei Nöten ihres unter schreienden Ungerechtigkeiten seufzenden Volkes übervoll war” (Az égõ csipkebokor [Der brennende Dornbusch]).

Wenn diese Formulierungen auch ein bißchen drastisch sind (vielleicht gerade deshalb sind sie so deutlich), kann schwerlich bestritten werden, daß alle Staatssysteme (etwas feiner gesagt: alle Verfassungen) nach Zeugnis der Geschichte direkt oder indirekt, mehr oder minder blutig oder unblutig, aber auf jeden Fall mit Hilfe von Waffen bestanden und bestehen.

Wie es keine “Macht für das Volk” gibt, so gibt es folglich auch keine “gesetzliche Ordnung für das Volk”. “Der Richter dient nicht der sog. Hiba! A hivatkozási forrás nem található., sondern den jeweiligen Rechtsregeln des jeweiligen Staates. Zu diesem Zweck hält ihn der Staat, deshalb heißt er Richter” (György Moldova: Az idegen bajnok [Der fremde Streiter]). Das wissen auch die kleinen Leute. Eine Gestalt im Buch “Das fünfte Siegel” von Ferenc Sánta sagt folgendes: “Merken Sie sich, Herr Kovács: Es hat jener Dreck am Stecken, von dem die Macht es sagt! Das ist Sünde, was der Staat und das Gesetz Sünde nennen... Sie können alles tun, was für eine Schweinerei auch immer - wenn das Gesetz sagt, daß es keine Sünde ist, dann passiert Ihnen nichts, dann werden Sie dafür nicht bestraft, und da Sie nicht bestraft werden, werden auch die Leute sagen, daß Sie ein anständiger, die Gesetze in Ehren haltender Mensch sind... Nun, versuchen Sie zu entscheiden, was Sünde ist und was keine ist. Sünde ist, was die Großköpfigen dafür erklären und fertig ist die Kiste.”

Soviel wäre eigentlich schon genug zu der Einsicht: wie es keine “Macht für das Volk” und keine “gesetzliche Ordnung für das Volk” gibt, genauso gibt es auch keine “Justiz für das Volk”; folglich ist auch die “Justiz” nur ein Mythos, eine ideologische (und zugleich freilich auch praktische) Stütze der jeweiligen Macht. Trotzdem wollen wir diese Thema im nächsten Abschnitt etwas näher untersuchen.

 

 

3. Gesellschaft ohne Justiz

Vor allem möchten wir auf einige innere Widersprüche der Justiz hinweisen, die alle uns daran mahnen, daß es im wesentlichen um eine falsche Sache geht, daß die “Justiz” ihrer Beschaffenheit nach unfähig ist, jemandem Recht widerfahren zu lassen (wenn wir den ganzen Bereich dieser Erscheinung in Betracht ziehen und nicht nur subjektive Teilinteressen untersuchen) - im Gegenteil, sie ist gerade eine Fundgrube von Ungerechtigkeiten (summum ius - summa iniuria).

Erstens: Die “Justiz” beschäftigt sich nur damit, was sichtbar ist, nur mit solchen Fällen, die an den Tag kommen. Die “Sünde”, die im dunkeln bleibt, betrachtet sie nicht als Sünde (wenigstens praktisch nicht). Darin steckt eine doppelte Heuchelei, eine doppelte Lüge: Als Kriterium der “Sünde” betrachtet die Justiz deren “An-den-Tag-kommen” und nicht den Inhalt einer Tat; andererseits hält sie nur die Taten für Sünden, nicht aber die Gedanken und Vorhaben des Täters oder anderer, die Auslöser der Sünde des Täters sein konnten. (Darauf weist Jesus in der Bergpredigt zweimal hin: Mt 5,21-22.27-28.)

Zweitens: In ihrer Praxis läßt die Justiz die Tatsache außer Acht, daß es einfach unmöglich ist, alle Verbrechen aufzuklären (allein in Ungarn bleiben nach polizeilichen Einschätzungen jährlich mehrere Zehntausende von Verbrechen unaufgeklärt), so “büßen” nur diejenige, die “erwischt” werden. Gerechtig wäre aber nur, daß ein jeder “Sünder” büßt oder keiner.

Drittens: Im Grunde genommen beschäftigt sich die “Justiz” nicht mit der Frage, wer für ein gegebenes Verbrechen wirklich verantwortlich ist, bzw. in welchem Maße verantwortlich ist. Natürlich wollen wir die persönliche Verantwortung nicht bestreiten, aber es ist unleugbar, daß für viele Verbrechen in viel größerem Maße als der Täter selbst diejenige verantwortlich sind, die auf den Täter einen schlechten Einfluß ausübten. Ein gemeinplätziges Beispiel dafür ist die (verborgene) ursächliche Rolle der Eltern im Verhalten ihrer Kinder. Um auch ein Beispiel von weiterem Horizont und größerer Tragweite zu erwähnen: Wenn eine Regierung innnerhalb des Lebens einer Generation vier-fünfmal an der Hierarchie der von ihr diktierten Werte ändert, etliche Male so, daß sie eine Wendung von 180 Grad macht, dann ist hauptsächlich sie dafür verantwortlich, wenn ihre Staatsbürger zynisch und nihilistisch werden, bzw. ist sie verantwortlich für die Verbrechen, die daraus folgen. In all diesen Fällen verurteilt die “Justiz” statt der wirklichen Täter diejenige, die mehr oder weniger Opfer sind.

Viertens: Sünde und Nicht-Sünde lassen sich nicht genau trennen, es ist unmöglich, Weizen und Unkraut exakt voneinander abzusondern (das sagte auch Jesus: Mt 13,29), demzufolge kann “Justiz geübt werden” (hier sollen wir wieder den ganzen Bereich der Erscheinung in Betracht ziehen) nur um den Preis neuer Ungerechtigkeiten! Die Richtigkeit unserer These wird von einer unabsehbaren Reihe derjenigen bewiesen, die im Laufe der Geschichte unschuldig verurteilt, bloßgestellt, hingerichtet worden sind.

Fünftens: Allerlei “Justiz” ist (wenigstens in einem Staat im heutigen Sinne des Wortes) vorweg falsch, da zum Grund der “Justiz” nicht die Wahrheit dient (die übrigens in absolutem Sinne praktisch nie ergriffen werden kann, also niemand ist im Besitz der vollen Wahrheit), nicht einmal die allgemeine Vereinbarung der Bürger des gegebenen Staates, sondern die von den herrschenden Klassen den anderen aufgezwungene “Rechtsordnung”, die jedenfalls nur Teilinteressen (die Isteressen einer Minderheit) widerspiegelnde, gestern braune, heute rote, morgen vielleicht gelbe (Teil-)”Wahrheit”. Obendrein ist auch deren Durchsetzung völlig willkürlich; einfacher gesagt: “Sünde ist, was die Großköpfigen dafür erklären...”

Der sechste Widerspruch (er ist vielleicht der schwerste innere Widerspruch, die größte Lüge und Heuchelei der “Justiz” und dadurch auch der gewichtigste Grund für deren völlige Abschaffung) hat eine “objektive” und eine “subjektive” Seite, obwohl die beiden miteinander eng verbunden sind.

Die “objektive” Seite: Wenn die “Justiz” wirklich Justiz sein wollte, wenn also der Wahrheit dienen wollte, dann sollte sie in erster Linie die Größe der Verbrechen in Betracht ziehen, d.h. sie sollte mit den größten Verbrechen beginnen und dann in Richtung der mittleren und kleineren fortschreiten (wenn sie noch überhaupt Zeit und Energie dafür hätte), bzw. sie sollte die größten Verbrechen am strengsten bestrafen, dann die mittleren usw. In der Tat finden wir aber (freilich nur dann, wenn wir fähig sind, uns von der für die Menschen im allgemeinen charakteristischen “Maulwurfshügel-Perspektive” zu befreien), daß die “Justiz” mit den (aus der richtigen Perspektive betrachtet) unbedeutenden “Verbrechen” der “Kriminellen” beginnt: in innen- und außenpolitischen “Friedenszeiten” wendet sie darauf, sagen wir, 90% ihrer Zeit und Energie, dann kommen die mittelschweren Fälle an die Reihe, das macht 9% aus, und das übriggebliebene 1% bleibt für die schwersten Fälle; die “Kriminellen” (und die “Politischen”) bestraft sie streng, die größten Bösewichte läßt sie aber fliehen.

Um nur zwei ganz einfache Beispiele zu erwähnen, von den viel schwereren Fällen ganz zu schweigen: Wenn jemand durch regelmäßige aber “legale” Beschädigung seiner Mitmenschen (z.B. durch ein “anständiges” Geschäft) zu einem Millionenvermögen kommt, dann genießt er die den Reichen gebührende Achtung, verschafft sich jemand aber durch Diebstahl oder Einbruch ein paar tausend Mark, so kommt er vielleicht für Monate oder Jahre ins Gefängnis. - Das zweite Beispiel: Wenn jemand in der ersten Aufwallung oder in der äußersten Verbitterung, eventuell unter Einfluß von Alkohol sinem Mitbürger das Messer in den Leib stößt und ihn “richtig” trifft, kann er mit 5-15 Jahren rechnen, aber in bestimmten Fällen kann er auch auf dem Galgen oder im elektrischen Stuhl enden - dabei findet der Arzt, der durch Abtreibung während seiner Laufbahn mehrere Hunderte, vielleicht mehrere tausende Fötus niedermetzelt (der deshalb ruhig gedungener Mörder genannt werden kann, er begeht ja den Mord statt anderer - der “Mütter”, der “Väter”), volle materielle und moralische Anerkennung...

Es geht hier um eine Art Sündenbock-Mechanismus: Die “Justiz” dient letzten Endes dem Zwecke, die sich in der Gesellschaft immer wieder anhäufende Gewalttätigkeit in “legale” Schranken zu weisen. Andererseits hat sie die Aufgabe (und das ist ganauso wichtig), durch Hervorkehrung der Sünden der kleinen Verbrecher (dies geschieht mit Hilfe von Presse, Rundfunk und Fernsehen) die Sünden der “Verbrecher von großem Stil”, darunter vor allem die der Staatsverwaltung selbst zu verbergen. Die letzteren Sünden übertreffen weit die ersteren.

Nehmen wir nun die “subjektive” Seite der Sache (was auch Jesus mehrmals enthüllt hatte: Mt 7,3-5; 15,14; 23,24; Joh 8,7), die die Heuchelei noch besser darstellt, die die “Justiz” bis in die Knochen, bis zum Ãußersten zu “Unjustiz” macht, die in sich selbst ein zureichender Grund wäre, das ganze System der “Justiz” abzuschaffen. Dieses System wird von Albert Camus in seinem Werk “Die Pest” so charakterisiert: “Die großen Pestkranken verurteilen die kleinen Pestkranken.”

Wir wollen wiederum zwei kleine, ganz einfache Beispiele bringen. Das eine: Jener Richter (der große Pestkranke) verurteilt die kleinen Leute, die Straftäter, der von den durch die kleinen Leute produzierten aber von ihnen entzogenen Gütern auf einem zwei-dreimal, nicht selten 5-10mal so hohen Lebensniveau lebt (schmarotzend, folglich sündhaft), wie die gestrauchelten, verblendeten, verzweifelten, verzogenen, schwachen oder einfach primitiven kleinen Leute, die er verurteilt; ja was noch mehr ist, er lebt auf seinem Lebensniveau davon, daß er sie verurteilt! Mit welchem Recht fällt er Urteil? Ausschließlich mit dem Recht, daß der Staat ihn zu diesem Zweck hält, daß er ihn dafür bezahlt. (Ganz zu schweigen davon, was ein pensionierter Richter in einer Reportage sagte: “Wissen Sie, in der letzten Zeit denke ich oft darüber nach, mit welchem Recht ich denen die Freiheit nahm, denen nicht ich die Freiheit gegeben hatte...”) - Das andere Beispiel: Eben jene Polizisten, jene Gefängniswächter (die großen Pestkranken) verhaften die kleinen Leute (die Kleinen Pestkranken) und halten sie gefangen (von ihren “amtlichen” Gewalttätigkeiten ganz zu schweigen), die ständige Leiden bereiten denen, welche nur ab und zu anderen Leiden bereitet haben (eventuell auch gar nicht vorsätzlich oder nur indirekt, z.B. durch šberfahrung oder Diebstahl); die gerade dafür einen (hohen) Lohn und außer Tour Gratiswohnungen bekommen, weil sie anderen ständig Leiden bereiten...(Unvergäßlich wehmütig-schön erzählt dies Tarrou in Camus' Roman!)

J.H. Schmitt geht über die Feststellung dieses “subjektiven” Widerspruchs hinaus und behauptet, daß die “großen Pestkranken” nicht nur Verurteiler der “kleinen Pestkranken” sind, sondern daß gerade die “großen Pestkranken” die Hauptverursacher der Sünden der “kleineren Pestkranken” sind: “Die Wahrheit ist die, daß die niedere, barbarische, unmenschliche Denkweise, die die Grundlage der Gewalt ist, zugleich auch die Quelle der kleineren Verbrechen ist. Die legalisierte Räuberei der gesetzlichen Gesellschaftsordnung, welche die Ursache des Elends ist, und das gesellschaftliche Verbrechen: die gesetzliche Lobpreisung und Genehmigung des Mordes und des Massenmordes bilden die Grundquelle des Verderbens der öffentlichen Sittlichkeit” (“Állam nélkül” [Ohne Staat]). Aber natürlich “verschleiern die schlaueren und lügnerischen Banditen ihre gewaltsamen und despotischen Taten, ihre Morde und Räubereien mit dem Schein der Menschenliebe und der Humanität” (ebd. - vgl. Lk 22,25!).

Es wird jedoch behauptet, daß trotz all dem die “Justiz” doch nötig sei, aus zwei Grundursachen:

Die eine ist: “Man muß ein Exempel statuieren” und dadurch die Noch-nicht-Verbrecher davon “abschrecken”, daß sie zu Verbrecher werden. - Nun, vielleicht finden sich welche, die die Angst vor der Bestrafung zurückhält, aber das ist nicht charakteristisch. Die Tatsachen untermauern die Richtigkeit der Meinung von Vercors: “Das Gefängnis und die als Beispielgeben verhängte Todesstrafe sind lediglich šberreste des Altpaläolithikums: sie beheben nichts, sie verhindern nichts. Auch in unsere Zeit kommen Räuberei und Mord nicht seltener vor, als zur Zeit der Vandalen” (Sylva). Wir können ruhig behaupten, daß sie häufiger vorkommen: die Kriminalstatistiken zeigen ein ständig steigendes Wachstumtempo der Kriminalität. Obwohl ein jeder weiß, was für eine Vollkommenheit man in der Strafverfolgung erlangt hat, wie große Chancen die Verbrecher haben “aufzufliegen”, dies scheint die “Unternehmungslustigen” nicht abzuschrecken. Kein Wunder: “Das menschliche Gewissen soll aus einer ganz anderen Quelle entspringen” (Vercors, ebd.)! Überhaupt: die äußeren Schranken bedeuten nie wirkliche Schranken; die Grenzen werden immer dadurch bestimmt, was man in seinem tiefsten Innersten hat.

Wir sind der Überzeugung, daß das Gefängnis nur zwei Sachen zur Folge hat: einerseits können die Verbrecher höhere Stufen der Ruchlosigkeit erlernen (meistens tun sie es auch), andererseits ruft das Gefängnis in den Eingekerkerten den Wunsch nach irgendwelcher Rache hervor, oder verstärkt ihn in ihnen. Wenn auch dies nicht eintreffen würde, einer Sache können aber nur sehr wenige, außergewöhnliche Charaktere (und wieviel gibt es solche unter den Straftäter?) entgehen, nämlich der vielfachen persönlichkeitentstellenden und zersetzenden Wirkung des Gefängnisses (Eingeschlossenheit, Mißhandlung, Atmosphäre usw.). So können wir ruhig behaupten, daß der Mensch, der aus dem Gefängnis kommt, in der überwiegenden Mehrheit der Fälle von schlechterer Qualität ist, als der, welcher eingekerkert worden ist. Es ist nicht schwer, dessen Wirkung auf die konkrete Person und deren soziale Umgebung auszurechnen. Wir müssen zustimmen: der Kerker behebt nichts und verhindert nichts - im Gegenteil...

Da die “Gesetze Gottes” für den Menschen, sowohl für die Einzelperson, als auch die Gesellschaft die einzig richtigen und nützlichen Gesetze sind, können wir es mit den Worten von J. Kodolányi so formulieren, daß es nicht nur verboten, sondern auch überflüssig ist, “zum Schutz der Gesetze Gottes bewaffnete Truppen zu bilden, denn diese Gesetze sind ins Herz aller existierenden Geschöpfe eingeschrieben” (Az égõ csipkebokor [Der brennende Dornbusch]).

Wenn wir aber dementsprechend vorgehen - so klingt das zweite, vielleicht das wichtigste Argument für die Notwendigkeit der “Justiz”, dann wäre das Ergebnis eine vollständige Anarchie, und die hätte insgesamt mehr Böses zur Folge, als die “Justiz”.

Wir erklären diese “Argumentation” für eine Grundthese der Demagogie (den vollständigen Erfolg dieser Demagogie zeigt, daß sich das Volk überall zu dieser These bekennt, sie bereits für ein Dogma hält, das es nie überprüft), und wir stellen ihm eine Tatsache und eine Hypothese entgegen (eine soche Hypothese jedenfalls, deren Wahrheit noch niemand widerlegt hat, und die auf spekulativem Wege auch nicht widerlegt werden kann) in der Formulierung von Vercors: “In den Ländern, wo die Todesstrafe abgeschafft worden ist, stieg die Welle der Kriminalität 6-8 Monate lang, dan stellte sie sich wieder auf das alte Niveau ein. Dies gilt für die Todesstrafe - und ich bin überzeugt, der Fall wäre auch bei allen anderen Strafen derselbe, wenn die Leute den Mut hätten, es zu versuchen” (Clementine).

Auch wir sind dessen sicher. Warum denn würde sich jemand, der bisher nicht stehlen, rauben, morden wollte, mit der Devise “Hurra, es ist alles erlaubt!” auf den Weg machen? Wer bisher wollte, wird es auch knftig tun. Die Welle der Kriminalität, verursacht durch die verschwindend kleine Minderheit zwischen den beiden eben genannten Gruppen, die bisher nur durch die Angst vor der Bestrafung zurückgehalten wurde, ebbt nach 6-8 Monaten wieder ab. Wir nehmen sogar an, daß sich die Kriminalität nach der Abschaffung der “Justiz”, nach einer 6-8monatigen “Schonzeit” (es wäre sogar 6-8 Jahre wert) nicht nur auf ihr “normales Niveau” einstellte, sondern auch darunter sänke - falls das Übel an der Wurzel gepackt würde, falls die Riesensumme, die bisher an die Strafverfolgung gewendet wurde, von nun an für die Liquidierung der wirklichen Ursachen der Krinimalität verwendet würde und aus diesen Mitteln den örtlichen Bedürfnissen entsprechend Wohnungen, Schulen, Bibliotheken, Polikliniken, Krankenhäuser gebaut würden. Man sollte auch nicht vergessen, aus dieser Summe die Voraussetzungen und die Mittel jener Erziehung zu sichern, welche die Menschen vom Säuglingalter an so formte, daß sie zu keinen “Verbrechern” würden.

Bislang sprachen wir über den strafrechtlichen Teil der “Justiz”. Sprechen wir jetzt kurz auch über die sog. “Zivilprozesse”!

Wir wollen einerseits auf den unermeßlichen materiellen und moralischen Schaden hinweisen, den sie den Einzelpersonen und der Gesellschaft zufügen. Allein in Ungarn gibt es jährlich etwa 400 000 (!) Zivilprozesse. Multiplizieren wir diese Zahl mit den sehr (!) bescheiden kalkulierten durchschnittlichen Prozeßkosten von etwa 10 000 Forint, das bedeutet dann jährlich vier Milliarden Forint... [Das bedeutet heute, im Jahre 1999 mindestens cca. vierzig Milliarden Forint, umgerechnet rund 310 Millionen DM – der Verf.] Und wie groß ist der moralische Schaden?! Der immer mehr um sich greifende Haß erzeugt neue Sünden, die wieder neue materiellen und moralischen Schäden verursachen...

Auch die Zivilprozesse tragen innere Widersprüche in sich, sie sind genauso sinnlos, wie alle anderen Prozesse, folglich sind auch sie genauso überflüssig. Es gilt auch für sie: “Mostert nach der Mahlzeit.” Ja was noch mehr ist: Ãhnlicherweise wie die Strafprozesse wollen auch diese das Übel, welches nicht mehr ungeschehen gemacht werden kann, durch neues und noch mehr Übel heilen. Ohne sie wäre das Leben gesünder und menschlicher, mitsamt allen zurückbleibenden Problemen.

Andererseits: Da ein jeder, der einen Prozeß führt, behauptet, daß er nur das ihm geschehene Unrecht beheben möchte, wollen wir mit Hilfe von Plato beweisen, daß auch die Selbstverteidigung (die Notwehr) widerspruchsvoll ist, daß sie auch prinzipiell sinnlos, also überflüssig (und im Sinne von Jesus “verboten”) ist:

(Hier ist der 10. Abschnitt aus Platos Kriton einzufügen.)

Natürlich denken wir nicht, daß die Kriminalität durch irgendwelche Methode völlig beseitigt werden kann; solange es Menschen auf den Erden gibt, wird es auch Sünden und Kriminalität geben. Wir denken aber, daß die Institutionen der “Justiz” nicht nötig sind, daß die Kriminalität auch ohne sie auf dem gewöhnlichen Niveau bliebe, oder - unter den oben genannten Voraussetzungen - senke, folglich könnten wir ohne sie ein gesünderes, menschlicheres Leben führen, als mit ihnen.

Nach diesem langen (nicht ohne Grund, denn es ist von grundlegender Bedeutung) Abschnitt wenden wir uns dem zweiten teil unseres Hauptthemas zu, dem Ideal des Landes, das keine Kriege führt. Vieles, was wir in diesem (und auch schon im zweiten) Abschnitt gesagt haben, ist sinngemäß auch darauf zu beziehen, dashalb gehen wir hier nur auf die Besonderheiten ein.

 

 

4. Gesellschaft ohne Armee

In diesem Abschnitt vertreten wir die Meinung, daß ein Land, das in Kriegszeiten keine Armee organisiert und in Friedenszeiten keine Armee unterhält, das auch dann nicht bereit ist, einen Krieg zu führen, wenn es überfallen und unterjocht wird, ein in jeder Hinsicht - materiell, geistig und seelisch - reicheres und florierenderes Leben führen kann, als ein Land, welches in der gewohnten und “natürlichen” Weise (meistens aus “Selbstverteidigung”) Kriege führt.

Zuerst einmal wollen wir daran erinnern, wie große moralische und materielle Schäden der Unterhalt der Armee - sei es in Friedenszeiten - einem Land verursacht; im Zeitalter des Wettrüstens (und in welchem Zeitalter gab es in gewissem Maße nicht?) soll das kaum bewiesen werden. (Sehr aufschlußreich ist der Fall des mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichneten Costa Rica. Dieses Land unterhält in Friedenszeiten keine Armee - in Kriegszeiten “mietet” es eine -, und unter den latein-amerikanischen Ländern wurde der Analphabetismus allein hier völlig liquidiert und auch das Lebensniveau ist hier viel höher, als das der anderen Länder.)

Was nun den Krieg betrifft, sollen wir vor allem klar sehen, daß nie ein Volk ein anderes Volk angreift. Keinem Volk fällt es ein, einen Eroberungskrieg zu beginnen. “Es gibt kein Volk auf der Welt, das Angriffsansichten hätte, weil die Völker nie angreifen. Zum Angriff reizen nur die Regierungen die Völker auf, indem sie gegenseitigen Haß in diesen wachrufen. Als dann dieser Haß entflammt ist, und auch gelungen ist, die patriotischen Gefühle zu erwecken, dann beteuern die Regierungen mit größter Redekunst, daß das Vaterland gerettet werden soll” (Leo Tolstoi: Über den Patriotismus).

Wir glauben, damit auch den Einwand beantwortet zu haben, wonach man “aus Patriotismus für das Vaterland kämpfen soll”. Wer so spricht, verrät, daß er das Vaterland mit der gerade die Herrschaft führenden Regierung, die Gesellschaft mit dem Staat identifiziert. Der Krieg steht nie im Interesse des Vaterlandes, er kann nie der Gesellschaft, dem Volk dienen, er kann nur im Interesse der Großköpfigen stehen, alle anderen können dabei nur verlieren.

Da kommt aber der wichtigste Einwand: “Wenn sich die Länder diese Prinzip zu eigen machen und sich auch in der Praxis danach richten, und wenn ein jeder kann machen, was er will, entsteht dann daraus keine internationale Anarchie, stürzen sich die schwächeren Länder nicht in den Tod, während andere zu unermeßlicher Macht und maßlosem Reichtum kommen?”

Nun, träumen wir ein bißchen! Vorerst soll aber etwas festgestellt werden: Die Staaten, die Regierungen beginnen einen Krieg nie in der Absicht, um ein Volk oder mehrere Völker auszurotten. Sie beginnen einen Krieg, weil sie sich vor allem nach neuen Territorien sehnen, genauer nach neuen Schätzen, die durch diese Territorien zu erreichen sind, oder weil sie eventuell nach Ruhm begehren oder nach der mit der größeren Macht verbundenen zunehmenden Prestige.

Träumen wir also! Davon z.B., wie es gewesen wäre, wenn sich - sagen wir - Vietnam jahrzehntelang nicht gegen die amerikanischen Agressoren verteidigt hätte? Nehmen wir zuerst, was es dadurch gewonnen hat, daß es sich verteidigt hat. Außer einem Meer von Todesopfern und Verwundeten ein zertrümmertes Land, das sich auch in Jahrzehnten von seinen materiellen Schäden nicht erholen wird, und es wird vielleicht Jahrhunderte lang dauern, bis seine durch den Krieg verursachten moralischen Wunden verheilen, wenn überhaupt derartige Wunden verheilen. Wie wäre es denn gewesen, wenn es sich nicht verteidigt hätte? Wenn es die amerikanischen Soldaten “mit Brot und Salz” empfangen hätte? Hätten diese auf den freundlichen Empfang mit Machinengewehrfeuer und Napalm geantwortet? (Besonders, wenn es ihnen im voraus mitgeteilt worden wäre, daß sie mit keinem Widerstand rechnen müssen!) Wahrscheinlich nicht. Sie wären einfach in die Hauptstadt einmarschiert, hätten die Regierung, die Leiter der Polizei und der Armee abgelöst (es ist möglich, daß dies durch Erhängung erledigt worden wäre), und hätten ihre eigene Marionetten auf deren Posten gesetzt. Es kann aber auch sein, daß es nicht einmal dazu gekommen wäre, sondern sie hätten die zuständigen Personen gefragt, ob diese nunmehr bereit seien in ihren Dienst (d.h. in den Dienst der Regierung der USA) zu treten. Bei Zusage hätten sie sogar auf ihren Posten bleiben können. Das Ergebnis - das Wesen der Sache - ist sowieso dasselbe: Marionettenregierung, Marionettenpolizeichef, Marionettenverteidigungsminister.

Warum wären die Amerikaner so vorgegangen? Weil sie nicht übers Meer gefahren sind, um “das Volk mit Chrysantemenseele gesetzlich auszurotten” (Mihály Váci: Azóta [Seitdem]) (sowie auch Cortez sich nicht an Bord begeben hatte, um die Indianer niederzumetzeln), sondern um das Land von Vietnam in Besitz zu nehmen, dort Fabriken aufzubauen und Bergbau zu betreiben, zu billigem Rohstoff und billiger Arbeitskraft zu kommen, neue Märkte für ihre eigenen Produkte zu erobern und (oder vor allem?) natürlich ein paar Stützpunkte anzulegen, wenn sie schon einmal in der Nachbarschaft des großen Rivalen sind. Hätte es einen Sinn gehabt, die örtliche Bevölkerung, die sich dazu noch gar nicht verteidigt, auszurotten, um all diese Ziele zu erreichen? Wer hätte dann auf den Ackern, in den Fabriken und in Bergwerken gearbeitet, die sie in Besitz genommen haben? Die Bürger der USA wären wohl zu diesem Zweck nicht nach Asien ausgewandert. Daß demgegenüber ansehnlicher (der größere?) Teil von Vietnams Schätzen durch die Eroberung nach Amerika gewandert wäre? Gewiß. Auch dies mit eingerechnet, wäre “dem Volk mit Chrysanthemenseele” statt der Ausrottung und der allgemeinen Zerstörung ein relativer Wohlstand zuteil. Ihr Lebensniveau hätte das Lebensniveau während des Krieges und nach dem Krieg vielfach übertroffen. Und auch den Höchstwert dieser Welt, das Leben hätten sich Zehn- und Hunderttausende aufbewahren können. Auf jeden Fall hätten sie besser abgeschnitten, wenn sie sich nicht verteidigt hätten.

Wie auch wir Ungarn besser abgeschnitten hätten, wenn wir den Türken gewichen wären. Endre Ady schreibt in einem Brief: “Infolge der ständigen Kämpfe hat sich Ungarns Bevölkerungszahl von 3,5 Millionen auf 1,5 Millionen verringert, während die Nachbarvölker, die keinen Widerstand leisteten, kleinere Verluste erlitten haben. Die Erduldung scheint eher dem Leben zu dienen, als das Blutvergießen.”

Es ist interessant, daß es im Laufe der Geschichte schon einen Herrscher gegeben hatte - kann sein, daß er der einzige war -, der ebenso gedacht hatte. Die Gestalt und die Auffasung des Pharao Ekhnaton wird von J. Kodolányi in dem Roman “Der brennende Dornbusch” dargestellt. (...) Es ist möglich, daß es auch dem mildherzigen, reinen Ekhnaton, dieser wunderbaren Erscheinung nicht gelungen wäre, die sprungfertigen Herrscher der Nachbarvölker mit schönen Worten zu überzeugen, aber Egyptens Volk hätte auch in diesem Falle besser abgeschnitten, wenn es sich ohne Widerstand besetzen läßt. Der Pharao sah es durchaus richtig, daß der einzig gangbare Weg, dem Lauf der Geschichte eine neue, bessere Richtung zu geben, der von ihm vorgestellte ist. Wenn es auch nicht verwirklicht werden könnte, so ist es doch im Prinzip die einzig mögliche Lösung. Alle anderen Lösungen führen theoretisch und praktisch in eine Sackgasse.

Ekhnatons Lösungsvorschlag hat aber auch eine praktische Chance dadurch, was einer der vierzig Prediger im Roman von György Moldova (A negyven prédikátor [Die vierzig Prediger]) sagt. Er sagt es im Gefängnis seinem meuternden Mitgefangenen, der seinen Wärter angefallen hatte: “Die ergebene Sanftmut wäre für dich eine bessere Schutzwaffe gewesen, als deine emporgehobenen Handschellen; dein Verhalten hätte diese wilden Soldaten zum nachdenken veranlaßt und ihre Seelen wären ins Wanken geraten...” (Eine erschütternde Darstellung und Bestätigung dessen können wir in der Novelle “Halálnak halála” [Tod des Todes] von Ferenc Sánta lesen!)

Ja, das ist der einzige Weg, “die wilden Soldaten” zum Nachdenken zu veranlassen, sie dadurch ins Wanken zu bringen, das Schicksal der Welt zum Besseren zu wenden. Der einzig mögliche Weg der Rettung: “Wir müssen uns von der Macht, von den Waffen abwenden, Gott in uns selbst und ineinander finden, den alten Bund mit Ihm wiederherstellen” (J. Kodolányi: Vízözön [Sintflut]). “Es gibt nur eine Möglichkeit, das selige Reich Gottes zu verwirklichen: Liebe, Verständnis, Billigkeit. Gott hat keinen größeren Feind, als die Waffen. Die Waffen erregen Angst, die Angst Verteidigung, die Verteidigung Angriff” (J. Kodolányi: Az égõ csipkebokor [Der brennende Dornbusch]). Und wie aus dem Kontext hervorgeht, ist “das selige Reich Gottes” nichts anderes, als das selige Reich des Menschen.

Nach dem Gesagten und den jeweiligen, besonders aber den heutigen Zustand der Welt in Betracht gezogen, können wir das Recht eines Biographen von Gandhi kaum in Zweifel ziehen. “Wenn wir die banale Demagogie und die metaphysischen Sophismen meiden wollen, sind wir gezwungen, die Gewaltlosigkeit als eine Grundlage der Existenz der organisierten Gesellschaft zu betrachten” (Jan Pilát: Mahatma Gandhi). Ebenso können wir auch Gandhis Recht nicht bezweifeln: “Die Gewaltlosigkeit ist das Gesetz des menschlichen Geschlechts, gleichwie die Gewalt das Gesetz der Welt der wilden Tiere ist. Die Gewaltlosigkeit ist nicht nur für die Heiligen bestimmt, sondern auch für das einfache Volk.”

Im folgenden, letzten Abschnitt möchten wir in kurzen Zügen das Leben des gehofften Landes Elpidia entwerfen, das in sich alle Institutionen der Gewalt liquidiert hat.

 

 

 

 

5. Netz von kleinen Gemeinschaften

Wie wird Elpidia sein? Ob die Abschaffung der “Justiz”, die Auflösung der Armee und anderer Institutionen der Machtausübung nicht die Zerstörung dessen nach sich ziehen, was in den Gesetzen gut und vernünftig, d.h. gewaltlos ist?

Mit Tolstoi antworten wir folgendes: “Was in den Gesetzen, in der Justiz, im Eigentum, in den Finanzinstitutionen, in der Volksaufklärung gut, vernünftig, d.h. gewaltlos ist, bleibt erhalten. Dadurch, daß die rohe Gewaltsamkeit der Regierungen - welche ausschließlich deren Selbsterhaltung dient - eingestellt wird, wird sich sogar eine vernünftigere, gerechtere gesellschaftliche Organisation entfalten. Die Gesetze, die Justiz, die öffentlichen Angelegenheiten, die Volksaufklärung bleiben in dem Maße erhalten, in dem sie die Völker nötig haben, und in der Form, der all das šbel fehlt, das der heutigen Organisation der Regierungen entsprechend darin steckt. Nur das wird zunichte, was schlecht ist, was dem Willen der Völker Fesseln angelegt hatte” (Über den Patriotismus).

Wie wird Elpidia sein? Da die zum menschlichen Zusammenleben nötigen grundlegenden Gesetze “ins Herz aller existierenden Geschöpfe eingeschrieben sind” (J. Kodolányi), können wir es ruhig so formulieren: Elpidia wird ein Netz von sich aufeinander aufbauenden, bzw. einander ergänzenden, autonomen kleinen Gemeinschaften mit Selbstverwaltung sein, welches den ganzen Bereich des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen und Familienlebens umfaßt. Diese kleineren oder größeren Gemeinschaften bringen selbst ihre zur Žnderung immer offenen “Gesetze” mit allgemeiner Vereinbarung (aufgrund der Meinung der Mehrheit, mit freiwilliger Anpassung der Minderheit), sollten diese Gesetze ob das menschliche Zusammenleben, ob die wirtschftliche Tätigkeit, ob andere Gebiete des Zusammenlebens regeln, und sie wählen selbst ihre Vorsteher, bzw. sie delegieren diese in jene kleinen Gemeinschaften, welche die größeren Einheiten umfassen.

Ãhnlicherweise, wie es - diesmal nur die wirtschaftliche Seite der Sache betonend - M.S. Swaminathan, Leiter des Internationalen Instituts für Reisforschung schon in betreff des heutigen Tages für unerläßlich nötig hält: “Ich sehe viele Pläne, die skizzieren, daß die Produktion von Mais oder einer anderen Getreideart um eine Million Tonnen erhöht werden soll, aber diese Dokumente lassen niemals das leiseste Wort über die Farmer fallen. Sie sprechen über Saatgut, Kunstdünger, Wasser. Aber wer ist derjenige, der produziert? Nicht die Bürokraten oder die Plandokumente drechselnden Ãmter. Die Lebensmittel werden von Bauern hergestellt. - Die vielen Millionen Tonnen von Mais müssen in Afrika von mindenstens einer Million Bauernfamilien produziert werden. Wenn eine einzige Familie die Produktion nur um eine Tonne erhöht, auch dann ist die Zasammenarbeit von einer Million Bauernfamilien nötig. Wenn ich einen Plan entwerfen würde, wären meine ersten Fragen die folgenden: Hiba! A hivatkozási forrás nem található. Zuerst einmal müssen wir ihre Probleme, ihre Bestrebungen verstehen. Wir müssen uns mit ihnen, mit Männern so wie Frauen, beraten, erst dann können wir Pläne entwerfen” (Zeitschrift “Valóság” [Wahrheit], 1985/7).

Was nun die Justiz betrifft, sollte es genügen, wenn wir sagen, daß “es keine Todesstrafe geben wird, weil niemand das Recht hat zu töten”; daß die Sicherheit des Einzelnen “nicht durch Waffengewalt, sondern durch die schnellen Reflexe der Gemeinschaft geschützt wird”; daß “der Warenhauschef den Dieb fragt: Hiba! A hivatkozási forrás nem található.“Worin leiden Sie noch Not? Wollen Sie etwas auf Kredit kaufen?”; daß “die Kraft der Strafgesetze durch die Augen der Öffentlichkeit abgelöst wird” (György Konrád: A városalapító [Der Stadtgründer]; weitere Beispiele im diesen Buch).

Das dies alles nicht nur eine Ausgeburt der Phantasie, sondern auch alltägliche Realität sein kann, daß es sogar Ort und Zeit gab, wo es - wenn auch nur primitiv und unvollständig - verwirklicht worden war, und gerade auf ungarischem Boden (wir schließen natürlich nicht aus, daß auch anderswo), beweist das Buch “A törvényhozó falu” [Das gesetzgebende Dorf] von István Imreh, in dem wir die 72 Dorfgesetze, Vorschriften und Beschlüsse lesen können, welche die autonomen Gemeinschaften der Szeklerdörfer zwischen 1581 und 1847 geschaffen und freiwillig auf sich genommen haben. - Diese Dorfgesetze und Vorschriften faßten den Gemeinschaftswillen in Rahmen und bauten auf die aktive Teilnahme der Gemeinschaft. Wir können daraus kennenlernen die einstigen Lebensverhältnisse, die Normen der Dorfgemeinschaft, die Formen der Teilung der Gemeinfeldmark, die der Teilhaberschaft am Allgemeingut und die der gemeinsamen Übernahme der öffentlichen Lasten, sowie Art und Weise der Hilfe für die Notleidenden (Valóság [Wahrheit], 1985/7).

Für ähnliches gibt es ja auch in unseren Tagen ein Beispiel, in der Welt der jüdischen Kibbuzim in Israel. Die Kibbuzauffassung verbietet im Prinzip das Privateigentum, das Geld ist in einer gemeinsamen Kasse, wer welches braucht, nimmt sich daraus, und die Autos auf dem Parkplatz stehen allen zur Verfügung. Die Kibbuzbetriebe sind die effektivsten Betriebe des Landes (3,5% der jüdischen Bevölkerung von Israel stellt in den 260 Kibbuzim 40% der landwirtschaftlichen Produkte her), sie brauchen nicht unter Streiks leiden, sie können ihre Arbeitskraft flexibel anwenden, sie praktizieren schon seit langer Zeit die “Stellenrotation” bis zur Ebene der Leitung, sie haben keine Arbeitslosen. Sie haben auch das Problem der Ãlteren gelöst: Wer ein bestimmtes Alter erreicht hat, scheidet aus dem Arbeitsprozeß nicht aus, sondern er bekommt im Industriebetrieb die Möglichkeit, im Rahmen eines immer kürzer werdenden Arbeitstages eine weniger anstrengende Arbeit zu leisten, als in der Landwirtschaft... (Valóság [Wahrheit], 1985/7).

* * *

Und wen es in Elpidia trotz der erwähnten und vieler anderen Voraussetzungen doch Aufruhre und innere Konflikte geben wird, “ist es sicher, daß die Lage des Volkes günstiger sein wird, als in unseren Tagen, denn eine schlechtere als die heutige gar nicht zu erdenken ist...” (L. Tolstoi: Über den Patriotismus).

Zum Schluß wollen wir noch je einen Gedanken von Vercors und Gandhi zitieren:

“Die Geschichte wird anscheinend immer von den Starken gemacht, und doch sind die Schwachen, die demütigen Gerechten, welche die Menschheit von Jahrhundert zu Jahrhundert nach ihrem eigenen unwahrscheinlichen Bild gestalten, denn die Starken kämpfen und sie vernichten einander, während die Gerechten still, von Zeitalter zu Zeitalter immer auf denselben Spuren wandeln, und ihr Zeichen prägt sich unauslöslich in den Boden” (Wohin der Wind bläst).

“Wenn man mich beschuldigt, daß ich zu ehrgeizig bin, gebe ich zu. Wenn man sagt, daß mein Traumbild nie verwirklicht werden kann, antworte ich: kann sein, und gehe meinen eigenen Weg weiter. Ich bin ein standhafter Soldat der Gewaltlosigkeit, und habe Grund genug, bei meinem Glauben zu bleiben.”

(1985)

Übersetzung aus dem Ungarischen:

Imre Gromon