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Liebe Leserinnen und Leser,
Vor 50 Jahren begann die Church and Peace - Bewegung. Aus den anfänglichen Dialoggesprächen zwischen Vertreterinnen und Vertretern Historischer Friedenskirchen und verschiedener Kirchen in Puidoux/Schweiz ist im Laufe von fünf Jahrzehnten ein ökumenisches Netzwerk entstanden, das heute 75 Mitgliedsorganisationen und Einzelmitglieder in neun europäischen Ländern umfaßt.

Ende Mai haben wir im Rahmen eines Symposiums an die Anfänge von Church and Peace erinnert. Gleichzeitig haben wir nach den gegenwärtigen Herausforderungen gefragt und darüber beraten, worin in Zukunft der Schwerpunkt unserer Arbeit liegen soll. Unsere gemeinsamen Tage standen ganz im Zeichen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien.
Wenige Zeit später wurde der Krieg offiziell für beendet erklärt. Seither zeigt sich der abgrundtiefe Haß zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Nun werden die anderen bedroht und vertrieben. Manche, die vorher Opfer waren, werden jetzt zu Tätern, während Menschen, die zur Seite der früheren Täter gerechnet werden, die neuen Opfer sind.

Die Suche nach der ganzen Wahrheit in diesem folgenschweren Konflikt war ein Hauptanliegen des Symposiums auf dem Bienenberg. Dazu gehörte die Frage nach unserer politischen Mitverantwortung und nach unserer Aufgabe als europäisches Netzwerk. Es gab und gibt zahlreiche positive Beispiele und ermutigende Initiativen christlicher Gemeinschaften im ehemaligen Jugoslawien: Diese haben sich trotz des jüngsten Krieges - und der damit verbundenen Rückschläge für ihre bisherige Arbeit - nicht abhalten lassen, sich weiterhin um Verständigung, Versöhnung und den Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen zu bemühen.

Wir berichten davon in einer ersten Dokumentation über das Jubiläumssymposium im Rahmen unserer Beiträge zu Theologie und Frieden.

Sie erhalten diese Publikation zusammen mit diesem Rundbrief anstelle der zweiten Nummer von “Kirche und Frieden“. Zusätzlich erhalten Sie unseren ersten ausführlicheren Geschäftsbericht, damit Sie eine größere Übersicht über die Arbeit von Church and Peace im Zeitraum 1998/1999 bekommen.

Der vielfach geäußerte Wunsch nach schnellen und übersichtlichen Informationen und nach themenorientierten Publikationen hat uns dazu veranlaßt, probeweise bis Ende diesen Jahres, weitere Rundbriefe und kleinere Publikationen herauszubringen und sie Ihnen anstelle der regulären Vierteljahreszeitschrift zuzuschicken. Dazu gehört auch das neue Mitgliederverzeichnis. Die Publikation “50 Jahre Ökumenischer Dialog und Friedenszeugnis - Church and Peace 1949 -1999“ wird voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres erscheinen.

Wir wollen damit die Leistungen des Abonnements verbessern und hoffen auf Ihre Zustimmung. Ende 1999 werden wir Sie um eine kurze Rückmeldung bitten, ob Ihnen unser Versuch zugesagt hat oder nicht.

Wir wünschen Ihnen weiterhin eine gute Sommerzeit

Für das Redaktionsteam
Ihr Christian Hohmann

KOSOVO
Braunfelser Sondersynode zum Kosovo-Konflikt

15 Jahre nach der Ersten Europäischen Friedenskirchlichen Versammlung in der Friedenskirche in Braunfels trafen sich am 26. Juni 1999 rund 100 Synodale und Gäste des Kirchenkreises Braunfels zu einer Sondersynode, um über die Problematik des Krieges im Kosovo und dessen Folgen zu beraten. Superintendent Roland Rust und Pastor Christian Hohmann erläuterten eingangs die Gründe, die den Arbeitskreis Frieden und den Kreissynodalvorstand veranlaßt hatten, diese Synode einzuberufen. Dazu gehöre auch die Erfahrung, daß die biblischen Gegenbilder zu Krieg und Gewalt nicht zu einem erkennbaren Protest der Kirchen gegen die erfolgten Vertreibungen und Militärschläge geführt hätten. Der frühere Bischof von Magdeburg, Dr. Christoph Demke, stellte in seinem Einführungsreferat unmißverständlich klar, daß die politische Strategie, mit Hilfe eines Militärschlages aus der Luft die humanitären Verbrechen im Kosovo zu stoppen, nicht nur gescheitert sei, sondern sich auch als Sackgasse erwiesen habe, als man sich auf das Hantieren mit Ultimaten in die ausweglose Abhängigkeit der Belgrader Führung begeben habe. Hingegen seien die Warnungen verschiedener Friedensdienste vor einer kriegerischen Eskalation im Kosovo viele Jahre überhört worden. Die christlichen Kirchen müßten angesichts der Tatsache, daß die G 8 - Staaten nicht nur in ökonomischen, sondern mittlerweile auch in sicherheitspolitischen Fragen einen weltweiten Führungsanspruch reklamierten, sich dafür einsetzen, daß die schwächeren Partner zu Gehör kämen.

Angeregt durch Demkes nachdrückliche Fragen, diskutierten die Teilnehmenden in vier Arbeitsgruppen folgende Einzelfragen: Worin liegt die eigene Mitverantwortung und Schuld von uns Christen in unserer Verwicklung in einen nie erklärten Krieg? Welche Alternativen zur militärischen Konfliktlösung bestehen und müssen dringend gefördert werden, z.B. Friedensfachdienste und die Ausbildung zum Schalomdiakonat. Auch die Frage nach der Verankerung der Flüchtlingsarbeit in den Gemeinden des Kirchenkreises und die wiedersprüchliche Rechtslage der Flüchtlinge aus der Balkanregion neben der Frage nach der Problematik der neuen NATO-Strategie wurden intensiv beraten.

Unter den ReferentInnen waren auch Wilfried Warneck und Dr. Anthea Bethge vom Oekumenischen Dienst in Wethen.

Wetzlar, den 7.7.1999
Christian Hohmann

Flüchtlingsströme zurück in den Kosovo veranlassen Änderungen in den Plänen der MCC-Hilfsprogramme

Die Situation auf dem Balkan verändert sich dramatisch, und die MitarbeiterInnen des Mennonite Central Committee (MCC) überlegen, wie MCC seine Hilfeleistungen an jugoslawische Kriegsopfer unter Berücksichtigung dieser Veränderungen entsprechend gestalten kann. Es besteht weiterhin große Not nicht nur im Kosovo, in Albanien und Serbien, sondern auch in anderen Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens wie Bosnien und Kroatien.

“In Albanien kehren Flüchtlinge in Massen in den Kosovo zurück,” berichtete Hansulrich Gerber, Direktor des europäischen MCC-Programms, bei einem Telefongespräch am 23. Juni. Diese Entwicklung hat zur Folge, daß die MCC-Mitarbeitenden nun abwägen, wie ein Teil der MCC-Mittel, die ursprünglich für Kosovo-Flüchtlinge in Albanien bestimmt waren, umgeleitet werden könnte. Viele Kosovaren kehren in ihre zerstörten Häuser und Städte zurück. MCC plant, Hilfsgüter per Schiff in den Kosovo zu schicken, darunter auch Hygieneartikel wie Seife u.ä.

Die beiden MCC-Freiwilligen Dan und Evanna Hess setzen derweilen ihre Flüchtlingsarbeit in Albanien fort. Als Antwort auf den Wunsch nach Rache, den einige Kosovaren geäußert haben, planen die Hesses Trainingsmöglichkeiten zur friedlichen Konfliktlösung. Das Ehepaar hat zudem dazu beigetragen, ein Projekt ins Leben zu rufen, bei dem Broschüren zur Gesundheitserziehung an Flüchtlinge in Albanien verteilt werden, die den Bedingungen überfüllter Lager und der sengenden Hitze adriatischer Sommer ausgesetzt sind.

Letzte Woche kehrte MCC-Mitarbeiter Harold Otto nach Belgrad, Serbien, zurück, wo er der MCC Partnerorganisation Bread of Life (Brot des Lebens) bei Überlegungen hilft, wie man den durch die NATO-Bombardierungen verursachten Nöten beikommen kann. “Den größten Teil meiner Zeit verbringe ich damit, einfach zuzuhören,” kommentiert Otto. “Die Menschen sagen, daß sie dankbar sind, daß ihnen jemand zuhört, dem gegenüber sie ihre Angst vor der Zukunft, ihre Niedergeschlagenheit und Verwirrung zum Ausdruck bringen können.” Ein Teil der MCC-Flüchtlingsmittel wird an die Kriegsopfer in Serbien gehen. Weiterhin befindet sich eine MCC-Schiffsladung mit Lebensmitteln und Hilfsgütern für Kinder für 1.000 Familien auf dem Weg nach Pancevo in der Nähe von Belgrad.

In Kroatien und Bosnien, wo sich die Menschen noch immer von Gewalt und Kriegen der jüngsten Zeit zu erholen versuchen, hilft MCC mit Lieferungen von Schafen, Hühnern und landwirtschaftlichen Werkzeugen. Darüberhinaus haben Schweizer Mennoniten Hilfsgüter für Kosovo-Flüchtlinge in der Gegend rund um Sarajevo gesammelt.

“MCC hat sich ausgeweitet und wird sich weiter ausweiten, um die Güter, die uns anvertraut sind, weise und effizient einzusetzen,” so Gerber. “Wir werden so gut planen, wie es uns irgend möglich ist und werden jeden Tag, den Gott uns gibt, als Geschenk seiner Gnade annehmen.”

MCC News Service, 25. Juni 1999
Übersetzung: BiDo


Gift-Verseuchung ist ein Nebenprodukt des Krieges in Jugoslawien
Die NATO-Bombardierungen Jugoslawiens sind eingestellt, doch die Folgen des Krieges bleiben in der Luft, im Boden und im Wasser weiterhin wirksam.
Ende März baten Partner des Mennonite Central Committee (MCC) in Belgrad, Serbien, um Fürbitte, daß eine große Chemie-Raffinerie im nahegelegenen Pancevo nicht von den Bomben der NATO getroffen werden möge. Ihre schlimmsten Befürchtungen, daß sich giftige Chemikalien in der Umgebung ausbreiten würden, bestätigten sich, als die Raffinerie im Laufe des Krieges mehrmals bombardiert wurde. Hansulrich Gerber, Direktor des europäischen MCC-Programms, stellte fest, daß “die langfristigen Auswirkungen [der Verseuchung] auf die Bevölkerung Jugoslawiens sowie der gesamten Region bisher noch nicht analysiert worden sind.” Er fügte hinzu, daß der “Schaden weitaus schlimmer ist, als es irgendjemand im Westen wahrhaben will.”

MCC News Service, 25. Juni 1999
Übersetzung: BiDo


Gewaltfreie Krisen-Intervention im ehemaligen Jugoslawien

Das Balkan Peace Team (PBT) ist ein Projekt, das internationale Freiwillige in Gebieten des ehemaligen Jugoslawien einsetzt, wo ihre Präsenz und ihre Fähigkeiten lokalen Rechtsanwälten, die sich für Frieden und Menschenrechte einsetzen, von Nutzen sein können. Die Teams sind ihrem Ansatz nach unparteiisch und bemühen sich, Gruppen und Einzelpersonen beider Konfliktparteien zu unterstützen. BPT ist ein Gemeinschaftsprojekt, zu dem auch Gruppen aus dem Church and Peace-Netz gehören: Brethren Service, die Niederländische Mennonitische Arbeitsgruppe Ex-Jugoslawien, EIRENE Internationaler Christlicher Friedensdienst e.V. und der Internationale Versöhnungsbund.

Es gibt zwei BPT-Zweige: einer hat seinen Sitz in Split, Kroatien, (Otvorene Oci) und einer in der Bundesrepublik Jugoslawien (BPT-FRY). BPT-FRY arbeitet seit 1994 in Serbien und im Kosovo und setzt - mit einer Operationsbasis in Mazedonien - seine Arbeit in dieser Region fort. Zur Zeit ist BPT FRY dabei, seine Aktivitäten umzustrukturieren, um den Nöten, die der Krieg sowohl in der serbischen als auch in der albanischen Gesellschaft verursacht hat, gerechter werden zu können und um Nicht Regierungsorganisationen vor Ort bei den Kämpfen zu unterstützen, denen diese nun ausgesetzt sind. Ihr Ziel und Auftrag hat jedoch nichts von seiner Wichtigkeit verloren: zivilgesellschaftliche Initiativen zu unterstützen und den Dialog und andere Brücken-bildende Bemühungen zwischen Serben und Albanern zu fördern und zu ermöglichen.

Zu den programmatischen Zielsetzungen von BPT-FRY für die nächsten Monate gehören unter anderem folgende Punkte, um dieses Ziel zu erreichen:
1. Die Aufrechterhaltung der Präsenz in der Region.
2. Fortgesetzte Reise- und Forschungstätigkeit (in Albanien und Bosnien), verbunden mit Besuchen serbischer, Kosovo-albanischer und internationaler Nicht-Regierungsorganisationen, die mit Flüchtlingen arbeiten wie auch Initiativen, die auf eigenen Bemühungen der Flüchtlinge basieren.
3. Vernetzung der verschiedenen verstreuten und entzweiten Gemeinschaften.
4. Kinder-Camp-Projekt. Es handelt sich hier um die Initiative eines Kosovo-Albaners, dem die albanischen Kinder ein Anliegen sind, die unter dem ständigen Einfluß der Bilder der Medien stehen, die sie auffordern, alle Serben zu hassen. Der Zweck des Camp-Projekts besteht darin, den Kindern eine so dringend benötigte Pause von den Spannungen des Flüchtlingslebens zu ermöglichen und zugleich die Notwendigkeit anzugehen, diesen Haß abzulegen.
5. Die Kontaktaufnahme zu den 10.000 serbischen Flüchtlingen in Mazedonien, die meistens von den Hilfsorganisationen übersehen werden. Mittels seiner Kontakte zu serbischen Nicht Regierungsorganisationen wird BPT-FRY versuchen, Kontakte und Vertrauen in dieser Gemeinschaft aufzubauen und diese Flüchtlinge mit Hilfsdiensten und -organisationen in Kontakt zu bringen.
6. Kriegsdienstverweigerer. BPT wird die Situation untersuchen, in der sich Kriegsdienstverweigerer und Militär-Gegner beider Gemeinschaften befinden: zum einen diejenigen, die dem jugoslawischen Militär Widerstand leisten oder desertiert sind, und zum anderen diejenigen, die sich entschieden haben, sich der Befreiungsarmee Kosovas (UCK) nicht anzuschließen.

Für nähere Informationen oder zur finanziellen Unterstützung wende man sich bitte an: Balkan Peace Team, Ringstr. 9a, D-32427 Minden; Tel.: 0571-20776, E-mail: Balkan-Peace [email protected]

Auszug aus dem Bericht des Balkan Peace Team, Juni 1999
Übersetzung: BiDo

EUROPÄISCHE BRÜCKEN-STÄDTE ENGAGIEREN SICH FÜR BRÜCKEN IN STÄDTEN JUGOSLAWIENS
Ein Vorschlag zur Überwindung einer kriegsbedrohten Isolation durch Brücken Patenschaften

I. Städte aus verschiedenen Regionen Europas, die selbst durch Brücken verbunden sind, bieten Städten in der Bundesrepublik Jugoslawien, die durch den Kosovo-Krieg in ihrer Lebensfähigkeit schwer getroffen wurden und deren Bürgerinnen und Bürger nicht mehr miteinander kommunizieren können, weil ihre Brücken zerstört sind, eine Brücken-Patenschaft an.

Kern einer solchen Patenschaft ist die doppelte Verpflichtung,

- sich als Bürgerinnen und Bürger der Stadt N.N. bzw. als deren Repräsentanten dafür einzusetzen, daß die durch den Krieg zerstörte Brücke in N.N. wieder aufgebaut wird;

- eine Brücke der Verständigung von Europa zu den Menschen in Kosovo, Serbien, in der Vojvodina und in Montenegro zu schlagen, die unter diesem Krieg besonders gelitten haben.

Mit einer konkreten Brücken-Patenschaft wollen Menschen aus Westeuropa dafür eintreten, daß jene, die den Repräsentanten eines Regimes treffen wollen, statt dessen aber die Seele, die Kultur und die Lebensfähigkeit eines ganzen Volkes getroffen haben, sich am Wiederaufbau der zerstörten Brücke beteiligen.

II. Für die Übernahme einer Verpflichtung zu einer Brücken-Patenschaft mit einer konkreten Stadt in der Bundesrepublik Jugoslawien gibt es verschiedene Gründe.

Wir gehen diese Verpflichtung ein,

- weil mit der Zerstörung von Brücken wie anderer Objekte Begegnung und wechselseitiger Respekt gestört wurden, die für ein Zusammenwachsen der Völker Europas wichtig sind.

Dabei verkennen wir nicht,

- daß die Zerstörung dieser Brücke wie anderer Objekte in einem Kontext von Demütigung, Vertreibung und Mord der albanischen Bevölkerung im Kosovo steht.

Wir räumen ein,

- daß als Folge der Bombardements die verabscheuungswürdige Praxis der Vertreibung der albanischen Bevölkerung und ihre Folgen nicht beendet, sondern eher noch verschärft wurden.
Wir räumen ebenfalls ein,

daß die dafür Verantwortlichen nicht entscheidend getroffen wurden, wohl aber viele unbeteiligte Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik Jugoslawien und in einigen Nachbarländern.

III. Eine Brücken-Patenschaft sehen wir als eine ausgezeichnete Möglichkeit an,

- die Notwendigkeit des ökonomischen Wiederaufbaus in der Bundesrepublik Jugoslawien öffentlich bewußt zu machen;

- die wirtschaftliche Verelendung einer ganzen Region zu verhindern;

- Mauern des Mißtrauens und der Fremdheit zwischen Menschen aus Jugoslawien und Westeuropa abzubauen;

- einen glaubwürdigen Beitrag für ein durch Verständigung, Kontakt und gegenseitigen Respekt geeintes Europa zu leisten.

Bad Vilbel, 15.7.1999

Herbert Froehlich


BESUCHE / KOMMUNITÄTEN

50 Jahre Christusbruderschaft Selbitz

“50 Jahre unter Gottes Verheißung“, so lautete die Bilanz der Schwestern und Brüder der Communität Christusbruderschaft Selbitz anläßlich ihres 50jährigen Bestehens. Mehr als 1000 Gäste waren zum Festwochenende am 5. und 6. Juni 1999 in das Zentrum der Christusbruderschaft auf dem Wildenberg in Selbitz/Oberfranken gekommen. Darunter zahlreiche Mitglieder anderer Kommunitäten und Ordensgemeinschaften wie die Schwestern von Grandchamp, die Christusträger und belgische Benediktiner.

Die Christusbruderschaft versteht sich als ein evangelischer Orden innerhalb der lutherischen Kirche und wurde 1949 von Hanna und Pfarrer Walter Hümmer gegründet. Heute leben die 116 Schwestern und 5 Brüder nicht nur im Selbitzer Ordenshaus, sondern auch in verschiedenen Außenkommunitäten: Drei Schwestern bilden eine Lebensgemeinschaft in Sehitwa in Botswana, andere leben in Wülfinghausen bei Hannover oder in Städten wie Bayreuth, München und Magdeburg. Die Brüder bauen seit 1995 ein geistliches Zentrum in Volkenroda in Thüringen auf.

Christian Hohmann überbrachte Sr. Annna-Maria aus der Wiesche, der jetzigen Priorin, die Grüße von Church and Peace. Sr. Anna-Maria betonte ihm gegenüber das wachsende Interesse der Christusbruderschaft an der Arbeit von Church and Peace. Dies zeigte sich auch in verschiedenen anderen Gesprächen mit einzelnen Schwestern, u.a. mit Sr. Martha, die seit Jahren Flüchtlinge und Asylsuchende vor allem aus der Balkanregion betreut.
Die Gegenwart Gottes auch in schwierigen oder konfliktträchtigen Alltagssituationen zu bezeugen, verstehen die Mitglieder der Christusbruderschaft als ihren Auftrag. Dazu gehört auch die “Herausforderung zu einem einfachen Lebensstil“, aber auch das Wahrnehmen der eigenen Grenzen und Begabungen als Voraussetzung gegenseitiger Akzeptanz und Annahme innerhalb einer kommunitären Gemeinschaft.

Wetzlar, den 7.7.1999 Christian Hohmann

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1Sr. Anna-Maria aus der Wiesche (Hg.): Christusbruderschaft Selbitz. Ein Kurzbericht, Selbitz 1999,14.


Soeur Pierrette ist neue Priorin in Grandchamp

Am 22. Juli, am Gedenktag der Maria Magdalena, fand in der Communauté von Grandchamp die feierliche Amtsübergabe statt. Soeur Minke, die 29 Jahre Priorin war, verabschiedete sich in einer lebendigen Rede. Drei Jahre hatte der Prozeß gedauert, in dem die Schwestern nicht nur nach einer neuen Priorin suchten, sondern auch um einen Weg beteten, sie auszuwählen.

Ich hatte die Ehre, eine Grußbotschaft von Church & Peace zu überbringen und möchte ein bißchen davon berichten.
Als Christian Hohmann mich fragte, ob ich hinfahren könnte, hatte ich zunächst ein bißchen gezögert. Umso glücklicher war ich, daß ich dann trotzdem gefahren bin, ermutigt von meinem Mann und meiner Tochter Julia, die vor zehn Jahren einige Zeit in Grandchamp gelebt hatte und ihre Teilnahme samt neun Monate altem Baby spontan zusagte.
Als wir in Grandchamp angekommen von freundlichen Polizisten in einen Parkplatz auf der Wiese eingewiesen wurden, ahnten wir, daß es ein großes Fest sein würde. 400 Personen wurden erwartet.
Am Empfang im Hof das erste bekannte Gesicht: Soeur Christel vom Sonnenhof, die unsere Grußbotschaft in Empfang nahm und in einen großen Gabenkorb legte. Die meisten Schwestern waren in festlichem Weiß. Aber auch Schwestern und Brüder von anderen Kommunitäten und Orden waren gekommen. Soeur Minke begrüßte mehr als 40 Pfarrer, außerdem Familienangehörige und viele Freunde und Verbundene der Kommunität.
Natürlich hätten nicht alle in der “Arche” Platz gefunden, dem hölzernen Kirchenraum, dessen Wände an manchen Stellen von bunten Glasscheiben durchbrochen sind. Die Schwestern hatten lange und sorgfältig überlegt, wer dort sitzen dürfte, und ich gehörte zu den Auserwählten.
Auf dem Hof hatte man ein großes Festzelt aufgebaut, in das hinein die Feierlichkeit auf mehrere Bildschirme übertragen wurde - Segen der Technik. Ich war ergriffen von dem Geist des “Gottesdienstes”, der im Raum zu spüren war und berührt von der radikalen Entscheidung dieser Frauen zu lebenslangem Dienen. Alle der etwa 60 Schwestern gelobten einzeln der neuen Priorin die Gefolgschaft. Nach der Eucharistiefeier Begegnung im Hof mit Bekannten und nicht Bekannten. Unser Baby war immer ein “Anknüpfungspunkt”. Beim Gongschlag dann das Festmahl im Haus, im Zelt und im schattigen Garten. Es war für alles gesorgt. Wir hatten das Gefühl, herzlich willkommen zu sein. Da wir mit dem Pfarrer zusammensaßen, der Soeur Pierrette konfirmiert hatte, kam diese später auch an unseren Tisch, und ich konnte ihr die Segenswünsche von Church & Peace persönlich ausrichten. Soeur Irmtraud gesellte sich auch dazu und wir hatten Gelegenheit, miteinander zu sprechen. Nach dem Essen Versammlung am Brunnen, wo zwei Tauben mit Segenswünschen in die Lüfte entlassen wurden. Sie hatten gar nicht so viel Freiheitsbedürfnis wie erwartet. Eine setzte sich auf die große Pinie über Soeur Pierrette, die andere flog aufs Hausdach. Den Abschluß bildete ein finnischer Tanz, an dem alle teilnahmen und kein Ende finden konnten.

16.8.1999
Christa Voigt


DT. EV. KIRCHENTAG

28. Deutscher Evangelischer Kirchentag
16.-20. Juni 1999, Stuttgart
Das PEACE HOUSE

Unter dem erweiterten Kirchentags-Motto “Ihr seid das Salz für die Welt. Zeigt, daß ihr die Kraft des Salzes in Euch habt: Haltet Frieden untereinander.” (Mt 5,13 / Mk 9,50) gestaltete die Initiative Schalom gemeinsam mit Mitgliedern von Church and Peace, Ohne Rüstung Leben (ORL), den Mennoniten (DMFK), Quäkern und Pax Christi das Peace House (Friedenshaus).

Thematischer Inhalt des Peace House war die kreative, gewaltfreie und konstruktive Konfliktbearbeitung. TeilnehmerInnen der Projekte des “Zivilen Friedensdienstes” auf dem Balkan und im Kaukasus berichteten von ihren Erfahrungen.
Unter dem Thema “Mediation” wurden verschiedene Workshops angeboten. “Mit Zivilcourage eingreifen” war ein weiteres Thema mit praktischem Übungsteil. Das Kirchentags-Motto vertiefte Leni Schüttel von der Inititive Schalom mit verschiedenen Bibliodrama-Seminaren. Das Peace House war ein Ort, in dem das vertieft wurde, es war aber auch ein Treffpunkt für Menschen aus unterschiedlichen Friedensgruppen. Stände einzelner Gruppen luden zum Austausch und Gespräch ein.

Unsere gastgebende Gemeinde, die Baptistengemeinde Stuttgart-Forststraße, stellte uns das gesamte Gemeindezentrum für unsere Veranstaltungen zur Verfügung. Ein Café, das während der gesamten Tage für die Bewirtung der Gäste sorgte (mitgetragen von vielen MitarbeiterInnen der Gemeinde), trug zur offenen und sehr einladenden Atmosphäre bei. Als Mitarbeiterin der Initiative Schalom bin ich beeindruckt und dankbar für den unermüdlichen Einsatz der Gemeindeglieder für dieses ökumenische Vorhaben mit einem solchen Themenschwerpunkt, der sonst in unseren Baptistengemeinden wenig zu finden ist.

Leider gelang es uns nicht, als unterschiedliche Basisgruppen mit unserem Anliegen und dem gemeinsamen Peace House-Programm ins Kirchentagsprogramm aufgenommen zu werden. Wir entschieden uns trotzdem, zusammen mit der gastgebenden Baptistengemeinde dieses Unternehmen zu wagen. Unsere Werbung für das Peace House erfolgte durch die Verteilung von über 12.000 Programmen in ganz Deutschland sowie auf dem “Markt der Möglichkeiten” des Kirchentages.

Die Veranstaltungen stießen auf unterschiedliche Resonanz. Die Veranstaltung der “Koalition gegen Straflosigkeit” mit Frauen aus Argentinien und Dorothee Sölle hatte ein breites Publikum. Die Diskussionsrunde zur “Neuen NATO-Strategie”, gestaltet durch die Informationsstelle Militarisierung, interessierte so manchen Besucher . Während dagegen die Mediationsworkshops wenige, aber sehr stark interessierte Gäste vereinte. Die Gottesdienste und Konzerte, die auch im Kirchentagsprogramm zu finden waren, wurden durch die KirchentagsbesucherInnen stärker frequentiert.

Insgesamt war es ein buntes und ausgewogenes Programm zum Feiern, Arbeiten, Diskutieren oder einfach Verweilen.
Wenn die Menschen, die unser Haus besucht haben, ein Stückchen, eine Idee, einen Gedanken vom Frieden mitgenommen haben, dann hat sich die Kraft, die Arbeit und das starke Engagement für das Peace House gelohnt.

Kerstin Horst-Rößle


BIENENBERG

Der Gärtner und der Feldherr
Ein nachdenkenswertes Märchen für unsere Zeit

Es lebte einmal in einem kleinen Dorf ein Gärtner, der einen grossen Garten hatte. Er baute einen starken Zaun um den Garten, damit die Tiere, die in der Gegend frei herumliefen, nicht hinein gehen können. Jeden Morgen machte er einen Spaziergang durch den Garten und bewunderte seine Blumen und Pflanzen.
Eines Morgens erwartete ihn aber ein schreckliches Bild. Der Garten sah aus, als hätte dort in der Nacht ein Krieg stattgefunden. Blumen und andere Pflanzen waren ausgerissen oder aufgefressen, Beete zertreten, nichts war verschont geblieben.
"Das muss der Hase gewesen sein," dachte der Gärtner und eilte schnell ins Schloss, um die Sache zu melden und den Hasen zu verklagen. Er sprach zu dem Feldherrn:
"Mein Herr, ich verlange Gerechtigkeit! Der Hase hat meinen ganzen Garten verwüstet.”
"Bist du sicher, dass es der Hase war?" fragte ihn der Feldherr.
"Ja mein Herr, ich habe seine Spuren gefunden.”
"Gut. Wir bringen die Sache in Ordnung. Morgen gehen wir auf Jagd und schnappen uns den Kerl. Geh schnell nach Hause und triff alle nötigen Vorbereitungen. Morgen früh sind wir bei dir."
Und wie gesagt, so getan. Am nächsten Tag traf der Feldherr in Begleitung seiner Männer ein.
"Ohne Frühstück geht man aber nicht auf Jagd!" sagte der Feldherr. "Hast du 'was zum Essen?"
"Ja, mein Herr," antwortete der Gärtner und holte einen Schinken, den die Gäste schnell verschwinden liessen.
"Das ist aber ein komisches Schwein," bemerkte der Feldherr, während er seinen Bauch streichelte. "Das hatte nur einen Schinken."
Natürlich hatte das arme Tier auch einen zweiten Schinken. Der war in der Kammer aufgehängt. Der Gärtner holte ihn hervor, und der Feldherr und seine Männer assen ihn auf. So kamen alle Teile, eins nach dem anderen, an die Reihe, und am Ende war die Kammer des Gärtners völlig leer. Auf diesen Schicksalsschlag folgte der Keller. Schwein muss nämlich mit Wein heruntergespült werden, und dass wussten der Feldherr und seine Männer wohl.
Als sie schließlich genug gegessen und getrunken hatten, wurden sie schläfrig. Schläfrig geht man aber nicht auf die Jagd, nicht einmal dann, wenn es um den Hasen geht. So liessen sie sich die Betten machen, sanken bald in tiefen Schlaf und erwachten erst am Abend, als es schon fast dunkel war. Der Feldherr streckte seine steifen Glieder und liess die Jagdhörner blasen. Endlich stiegen alle in den Sattel, ritten hin und her, schrien laut, und die Jagd begann kreuz und quer in dem grossen Garten.
Es war aber alles umsonst, der Hase war nicht aufzufinden. Im hintersten Winkel des Gartens war ein einziger Kohlkopf verschont geblieben, und dort unter seinen Blättern fand der Kerl sein Versteck. Als die Jäger zu nah herankamen, sprang er heraus und lief durch ein Loch im Zaun schnell davon. Der Feldherr und seine Männer jagten hinter ihm her und machten dabei in der grossen Eile den Zaun kaputt. Sie verfolgten den Hasen nur bis zum Rande des Waldes, von wo sie dann in aller Ruhe zurückkehrten.
"Es tut mir leid," sagte der Feldherr. "Du hast mit eigenen Augen gesehen, daß ich versucht habe, was ich nur konnte. Aber dieses verdammte Tier war einfach klüger als wir."
Und so ritt er mit seiner Begleitung davon.
Der Gärtner blieb in seinem Garten, der in Ruinen verlassen lag, und dachte bei sich:
"Es wäre besser gewesen, die Angelegenheit unmittelbar mit dem Hasen selbst zu regeln. Diese sogenannte Hilfe hat mir mehr Schaden zugefügt, als es hundert Hasen in hundert Jahren je vermocht hätten.”

Dieses Märchen wurde während des kulturellen Programms im Rahmen des festlichen Abends am 29. Mai 1999 von Dóra Vaik, damalige Koordinatorin der osteuropäischen C&P-Region, vorgetragen. Der Ursprung des Märchens ist nicht ganz klar, es stammt jedoch vermutlich aus Ungarn.

Überarbeitung: BiDo
16. August 1999

Echos aus den Reihen der TeilnehmerInnen auf das Symposium in Bienenberg, 28.-30. Mai 1999
aus Briefen und E-mails an die Geschäftsstelle zusammengestellt von Birgit Dobrinski-Schmitz

Dankeschön für Euer großes Engagement und die Riesenarbeit, die nötig war, um die Jahresversammlung und das Symposium so gut werden zu lassen.
Soeur Irmtraud (Communauté de Grandchamp)

Tief bewegt gehen wir durch den heutigen Tag und versuchen, das Erlebte vom Wochenende zu sortieren. Wir möchten der ganzen Vorbereitungsgruppe nochmals für ihr Engagement danken. Es war gut, daß wir dabei sein konnten.
Bruno und Heidi Sägesser, 31.5.99

Besonders danke ich für die herzliche Aufnahme bei der von Euch so liebevoll vorbereiteten Tagung. Es war sehr schön für mich, dabeisein zu können, mich mit interessanten Themen auseinanderzusetzen, neue Bekanntschaften zu machen und alte zu pflegen.
Corinna Friesen

Besonders beeindruckend war der Festgottesdienst vom Sonntag der Dreieinigkeit (nach dem Vorabendgottesdienst im Freien durch die Schwestern von Grandchamp mit der Rubljew-Ikone der Gemeinschaft), vorbereitet von einem besonderen Arbeitskreis mit Marie-Noëlle von der Recke.
Dietrich Fischinger

Wir möchten Euch ein großes Dankeschön für die gelungene Tagung auf dem Bienenberg schicken. Durch unsere Gäste im Haus wurde die Begegnung noch vertieft und konkretisiert.
Ulli und Ellen Leutbecher

CHRISTIAN PEACEMAKER TEAMS

Vor fünfzehn Jahren gab Ronald Sider während der 11. Mennonitischen Weltkonferenz in Straßburg eine äußerst beeindruckende Erklärung ab. Sider, Dozent am Eastern Baptist Theological Seminary und Mitglied der Brethren in Christ Church, sagte damals, daß es ein gutes Zeugnis für Christen sei, sich zu weigern, sich an einem Krieg zu beteiligen oder sich sonstiger Form von Gewalt zu bedienen. Dies sei gut, aber nicht ausreichend.

“Was würde geschehen,” so erklärte er, “wenn wir Christen eine neue, gewaltfreie Armee zur Erhaltung des Friedens von 100.000 Personen aufstellen würden, die bereit sind, in gewaltsamen Konflikten einzuschreiten?... Haben wir nicht soviel Mut und Glauben wie Soldaten?... Solange wir nicht bereit sind, im Kampf gegen die Ungerechtigkeit, die von unseren Gesellschaften gefördert wird, Unrecht und Tod zu riskieren, sollten wir bekennen, daß wir es niemals wirklich ernst gemeint haben, daß das Kreuz eine Alternative zum Schwert ist... Ich bin davon überzeugt, daß betende, Geist-erfüllte, gewaltfreie Friedens-erhaltende Armeen durch Gottes besondere Gnade in der Lage wären, der Gewalt ein Ende zu setzen und die Gerechtigkeit zu fördern.”

Was ist aus dieser Herausforderung geworden?

Vom Council of Moderators and Secretaries (CMS) der Mennoniten, Brethren in Christ und der Mennonite Brethren in Nordamerika wurde diese Herausforderung ernst genommen, führte zunächst zu einer Diskussion und 1989 dann seitens der Sektion Frieden des Mennonite Central Committee (MCC) zu dem Aufruf, sich mit Siders Idee intensiver zu beschäftigen. Nach langem Gebet und Gesprächen mit den Kirchen (Mennoniten, Brethren in Christ, Mennonite Brethren) stimmte der CMS dem Vorschlag zu, sogenannte “Christian Peacemaker Teams” (CPT) ins Leben zu rufen. Die erste Trainingseinheit fand 1989 in Chicago, Illinois, USA, statt. Es nahmen120 Personen an dieser ersten Einheit teil, die aus Bibelarbeit, Workshops und der Vermittlung gewaltfreier Methoden bestand.

Die Berufung der CPT liegt darin, Teams von ChristInnen, die in Techniken gewaltfreier Aktion geschult sind, in Konfliktherde auf der ganzen Welt zu entsenden. CPT berichtet der internationalen Gemeinschaft sowie den Kirchen, die diese Initiative unterstützen, über Mißbrauch der Menschenrechte, die Gewalt und die Ungerechtigkeit, die die einzelnen Teams in ihrer jeweiligen Situation erfahren. Die Präsenz von CPT als internationale Beobachter trägt zu einer Deeskalation der Gewalt bei. CPT-Mitglieder werden während gewaltfreien Aktionen oder öffentlichen Veranstaltungen oftmals direkt mit bewaffneten Gruppen konfrontiert.

CPT besteht als Organisation nun seit zwölf Jahren. Zur Zeit besitzt CPT einen Mitarbeiterstab von zwölf vollzeitlichen MitarbeiterInnen und 51 ReservistInnen, die bereitstehen, um in Notfallsituationen bei Gewaltkonflikten einzuschreiten. Diese Interventionen geschehen auf Anfragen aus der Bevölkerung der betroffenen Gebiete. Und die Anzahl der Anfragen steigt weiterhin an...

Zu den Orten, wo CPT aktiv ist/gewesen ist, gehören zum Beispiel:
- Hebron (Gazastreifen) seit Juni 1995. CPT arbeitet sowohl mit israelischen als auch palästinensischen Friedensarbeitern zusammen, um den systematischen Abbruch palästinensischer Häuser durch israelische Behörden zu verhindern.
- Richmond, Virginia, USA. Auf Anfrage der Kirchen in Richmond wurde ein Team in einem sozial schwachen Stadtgebiet einsetzt, in dem 6.000 benachteiligte Personen leben. CPT organisiert dort Nachbarschaftspatrouillen, schafft “sichere” Orte zum Gespräch und schult die Gemeinschaft, wie sie schnell eingreifen kann, wenn Gewalt ausbricht.
- Chipas, Mexiko. Zusammen mit Mitgliedern der pazifistischen Maya-Gruppe Las Abejas hielt CPT gewaltfreie Mahnwachen und Gottesdienste vor Armeestützpunkten ab, um die starke militärische Präsenz in dieser Region herauszufordern.

Manchmal werden großartige Ideen einfach ignoriert und somit zum Sterben verurteilt. Ich bin Gott dankbar, daß Männer und Frauen in den Vereinigten Staaten Ronald Siders Aufruf ernst genommen haben.

CPT sucht Freiwillige, die im Glauben verwurzelt sind und schon etwas Erfahrung mit Friedensarbeit und gewaltfreier Aktion mitbringen. Für nähere Informationen wende man sich bitte an:
Christian Peacemaker Teams, PO Box 6508, Chicago, IL 60680, USA; Tel.: +1 312 455 1199; Fax: +1 312 666 2677; E-mail: [email protected]

Sylvie Gudin Poupaert
Übersetzung: BiDo


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Ab 1.1. 2000 Freiwillige(r) gesucht....

Wer gerne mit Kindern zusammen ist, Lust darauf hat, neue Leute kennenzulernen, eine ökumenisch offene, christliche Nachbarschaft miterleben möchte und etwas von Finanzen und Buchhaltung versteht, sollte sich sofort bei uns melden!!

Es geht um folgende Tätigkeiten:

(1) In der internationalen Geschäftsstelle von Church and Peace in Laufdorf:

- regelmäßige Buchhaltung, Homebanking (PC-Programm: Quicken, Word für Windows und Internet-Anschluß) und Spendenbetreuung
- Betreuung der Bibliothek
- Archivierung von Zeitschriften und Dokumenten
- Versenden von Rundbriefen, Zeitschriften und Einladungen zu Mitgliederversamm-lungen und Konferenzen

Diese Tätigkeit umfaßt 10 Stunden pro Woche. Eine kaufmännische Ausbildung ist erwünscht, aber nicht Voraussetzung.

(2) Ebenfalls für 10 Stunden Mitarbeit in der benachbarten Laufdorfer Gruppe des Laurentiuskonventes:

Der Lauretiuskonvent besteht schon seit 40 Jahren in mehreren Gruppen. Er zählt zu den kommunitären Aufbrüchen, die vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg in Europa entstanden sind. Christsein vollzieht sich in gelebter ökumenischer Nachbarschaft, im gemeinsamen Gebet, bei Mahlzeiten, im Austausch, beim Teilen von Autos und Lebensmitteln und im diakonischen Engagement für die sogenannten Randgruppen der Gesellschaft.
Die Laufdorfer Gruppe bietet in einer ausgebauten Scheune Seminare, Bibelkurse, Themenabende und Trainings in gewaltfreier Konfliktbearbeitung an.

Damit sind folgende Tätigkeiten verbunden:

- Mitarbeiten in der Küche
- Einkäufe und Abholdienste
- Vorbereitung der Seminarräume und Gästezimmer
- Einladung zur Mitwirkung und Teilnahme an den Seminaren u.a.
- Bei Bedarf Mithilfe bei den einzelnen Gruppenmitgliedern

(3) Die Mitglieder der Laufdorfer Gruppe wohnen im alten Dorfkern in verschiedenen Häusern. Eine der Familien, Marion und Michael Dorn haben zwei kleine Kinder, Felix und Rebecca (zwischen 1 und 3 Jahren) und wünschen sich eine wöchentliche Kinderbetreuung von 10 Stunden.

Seit Januar 1999 arbeitet Blaise Amstutz für zwölf Monate als Freiwilliger bei uns, d.h. bis Ende Dezember 1999.
Deshalb freuen wir uns auf eine(n) Nachfolger(in), der/die ab Januar 2000 für ein Jahr bei uns mitarbeiten möchte.

Wir wünschen uns eine(n) teamfähige(n ), kompetente(n) und kontaktfreudige(n) Freiwillige(n). Deutschkenntnisse sind erwünscht und können hier ausgebaut werden. Sowohl im Laurentiuskonvent als auch in der Geschäftsstelle gibt es Leute, die von Hause aus englisch- oder französischsprachig sind.

Wir bieten:

- Freies Wohnen und Verpflegung,
- Übernahme der Versicherungsbeiträge und
- garantieren ein monatliches Taschengeld von 300,-DM
- Offenheit gegenüber neuen Ideen und Anregungen u.a.

Laufdorf liegt 7 km von Wetzlar (50.000 Einwohner), etwa 60 Kilometer nördlich von Frankfurt entfernt. In Wetzlar gibt es nicht nur die nächste Bahnstation, sondern auch zahlreiche Angebote in Sportvereinen, Volkshochschule, Gospel- und Kirchenchöre, Theater, Kino, Konzerte zur Freizeitgestaltung. Es gibt auch verschiedene Schwimmbäder (Frei- und Hallenbad).

Weitere Einzelheiten sind über die Geschäftsstelle von Church and Peace zu erfahren.

Christian Hohmann


TERMINE

*OEKUMENISCHER DIENST

Der Oekumenische Dienst / Schalomdiakonat lädt herzlich ein zu folgenden Kursen im zweiten Halbjahr 1999:

16. bis 20. August 1999: "Friedrich und Frieda, Frieden und Fremdheit?" - Frauen und Männer in der Friedensarbeit. Hintergründe und Auswirkungen geschlechtsspezifischen Verhaltens in friedenspolitischen Zusammenhängen, Reflexion und Erarbeitung konkreter Handlungsmöglichkeiten. Vorbereitung: Eva-Maria Willkomm, Diplompädagogin und Bildungsreferentin beim Oekumenischen Dienst, Thomas Speckmann-Bremer, Sozialpädagoge und Gewaltberater, Kiel, und Michael Schimanski-Wulff, Pfarrer, Referent beim Oekumenischen Dienst. Ort: Seminarhaus in Bebra-Imshausen. Kosten (einschließlich Unterkunft und Verpflegung): DM 250,- bis DM 500,- (je nach finanziellen Möglichkeiten).

23. bis 27. August 1999: Interkulturelle und interreligiöse Friedensarbeit. Erfahrungsaustausch mit Christof Ziemer und Ljubinka Petrovic-Ziemer. Beide begleiten in der Vereinigung fur interreligiöse Friedensarbeit "ABRAHAM" in Sarajevo den notwendigen Prozeß der Verständigung und Versöhnung. Ort: Seminarhaus in Bebra-Imshausen. Kosten (einschließlich Unterkunft und Verpflegung): DM 250,- bis DM 500,- (je nach finanziellen Möglichkeiten).

13. bis 17. September 1999: Gemeinwesenarbeit als ein Element von Friedensarbeit. Die Methode von Richard Hauser und Hephzibah Hauser-Menuhin und Fallstudien werden vorgestellt. Zwei Freie MitarbeiterInnen des Oekumenischen Dienstes werden von ihren Erfahrungen in Rumänien berichten: Margrit Koeplin (Aufbaukurs 1995), die in Vurpar (Burgberg) in einem Projekt des Blauen Kreuzes arbeitet, und Harald Riese (Aufbaukurs 1995), der mit seiner Frau in Viscri (Deutsch-Weißkirch) lebt. Außerdem wird Ingeborg Ott (Grundkurs 1998) mitarbeiten, die als Eirene-Freiwillige in Nordirland tätig war. Vorbereitung: Wilfried Warneck, Pfarrer, erfahrener Mitarbeiter in Freiwilligen- und Friedensdiensten; Gisela Hammann, erfahrene Mitarbeiterin in Obdachlosen- und Sozialdiensten. Ort: Seminarhaus in Bebra-Imshausen. Kosten (einschließlich Unterkunft und Verpflegung): DM 250,- bis DM 500,- (je nach finanziellen Möglichkeiten).

10. bis 15. Oktober 1999: Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Bei der "Gewaltfreien Kommunikation" oder "Kommunikation von Herz zu Herz" handelt es sich um einen Gesprächsprozeß, der die Aufmerksamkeit auf die Bedürfnisse, Gefühle und konkret umsetzbaren Schritte zur Veränderung fur mich und mein Gegenüber lenkt. Trainerinnen: Laurence Reichler, Genf/Bregenz, Trainerin fur gewaltfreie Kommunikation; Beate Ronnefeldt, Krastel, Mediatorin und Kommunikationstrainerin. Ort: Haus Germete in Warburg-Germete. Veranstalter: Oekumenischer Dienst in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Entwicklungspolitisches Bildungswerk AKE, Vlotho, und dem Internationalen Versöhnungsbund. Kosten (einschließlich Unterkunft und Verpflegung): DM 380,- bis DM 450,-. Auf besonderen Antrag ist eine weitere Ermäßigung möglich.


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Den Krieg verhindern - Beiträge von Friedensdiensten zur Überwindung von Gewalt“ lautet die Ausgangsfrage eines Wochenendseminars vom 12.-14. November 1999 in Imshausen/Bebra, zu dem Church and Peace und der Oekumenische Dienst gemeinsam einladen.
Ausgehend von Erfahrungsberichten aus Nordirland, Bosnien und Serbien/Kosovo geht es inhaltlich um den Beitrag der Friedens- und Versöhnungsdienste zum Krisenmanagement in Konfliktsituationen. Zugleich sollen die TeilnehmerInnen Impulse und konkrete Anregungen für die Suche nach dem jeweils eigenen Friedensengagement bekommen. Dieses Seminar ist ein Beitrag zur Vorbereitung der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt.
Eingeladen sind interessierte Menschen aus kirchlichen Gruppen, Initiativen und Gemeinden, Mitarbeitende im Bereich von Gemeinde- und Jugendarbeit, Pfarrer und Pfarrerinnen. Der Richtsatz der Tagungskosten liegt zwischen 60 und 100 DM. Nähere Informationen bieten: Church and Peace, Ringstraße 14, 35641 Schöffengrund, Tel. 06441/5588, Fax -5070, e-mail: [email protected] und Oekumenischer Dienst, Mittelstraße 4, 34474 Wethen, Tel. 05694/8033, Fax -1532, e-mail: [email protected]

* Weiterbildungs- und Fortbildungsseminare des Bildungswerks UMBRUCH:

10.-12. September 1999: Erster Termin des vierstufigen Fortbildungsprogramms “Konflikt als Chance” von September 99 - Februar 2000. Grundlagen der Konfliktbearbeitung, Mediation (Streitschlichtung), Kreative Methoden der Konfliktbearbeitung.

11.-15. Oktober 1999: Ausbildung zum/zur TrainerIn in Gewaltfreiheit und kreativer Konfliktlösung. Themen: Grundlagen der Konfliktbearbeitung, Auseinandersetzung mit Gewalt und Gewaltfreiheit, Grundlinien konstruktiver Konfliktaustragung auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene. Ort: Friedensdorf Oberhausen. Kosten: 490,- DM (inklusive Unterkunft und Verpflegung).

1.-3. Oktober 1999: Schwarz und Weiß: Antirassismus-Training. Themen: Was ist eigentlich Rassismus?, Wie funktioniert er?, Was ist eigentlich anders, wenn ich Schwarzen begegne? Ort: Köln. Kosten: 100,- DM.

Kontakt und weitere Informationen: UMBRUCH Bildungswerk für gewaltfreie Veränderung, Scharnhorststr. 6, 50733 Köln, Tel. 0221 - 7 60 99 14, Fax: - 76 58 89, e-mail: [email protected] gmx.de

* KURVE WUSTROW - Bildungs und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion e.V.:

Bei den Fachseminaren für 1999 im Rahmen des Qualifizierungsprogramms für Friedensfachkräfte gibt es noch FREIE PLÄTZE.
Die Leitung der Seminare haben Inge Remmert-Fontes und Hagen Berndt übernommen, die Kosten belaufen sich auf 200,- DM - 350,- DM (nach Selbsteinschätzung), zuzüglich Unterkunft und Verpflegung.

22.-26. September 1999: Interkulturelle Kommunikation und Konfliktbearbeitung. Kultur

* 20.-23. September 2000: Mitgliederversammlung der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e.V. (AGDF) in Imshausen/Bebra.